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Der Kreditmediator in Deutschland – eine kritische Würdigung aus Sicht der privaten Banken

Von Rainer Kreutz | 24.August 2011

„Der Kreditmediator hat Ende März 2010 seine Arbeit aufgenommen. Erwartungsgemäß haben nach einer ersten Phase der Bekanntmachung die Anfragezahlen deutlich zugenommen. Dabei wurde relativ schnell deutlich, dass der Kreditmediator vielen Unternehmen, die vor Finanzierungsherausforderungen stehen, aber über keine konkrete Kreditablehnung klagen, bereits durch einfache Informationen helfen kann. In der Regel handelt es sich hierbei um praktische Hinweise zur Unternehmensfinanzierung und auf Unterstützungsmöglichkeiten zum Beispiel der Förderbanken. Entsprechend machen die reinen Informationsanfragen mit über 75 % aller an den Kreditmediator gerichteten Anfragen den Schwerpunkt der Tätigkeit aus.“ So schildert Markus Becker-Melching die Entwicklung der Kreditmediation seit März 2010 in seinem Beitrag zum Buch: „Finanzkommunikation – Chancen durch Kreditmediation“ von Frank Armbruster, Oliver Everling und Rainer Langen (Herausgeber; Bank-Verlag Medien GmbH, http://www.bank-verlag-medien.de/, Köln 2011, Art.-Nr. 22.474-1100, ISBN 978-3-86556-262-3.). Der erfahrene Diplom-Kaufmann, Becker-Melching, beschreibt in seinem Buchbeitrag den Kreditmediationsprozess ausführlich und beäugt die Kreditmediation aus der kritischen Sicht von Banken.

Markus Becker-MelchingBecker-Melching führt aus, dass sich „aus Bankensicht beim geplanten Mediationsprozess zwei rechtliche Fragestellungen ergaben, die gelöst werden mussten: Das Mediationssystem, so wie es entwickelt wurde, basiert auf einer breiten Weitergabe von teilweise sehr sensiblen Unternehmensdaten. So sollen Daten nicht nur an die zuständige Kammer, sondern auch – zur Prüfung weiterer Unterstützungsmöglichkeiten – an die jeweils zuständigen Förderinstitute und die Landesministerien weitergeleitet werden. Aufgrund datenschutzrechtlicher Bestimmungen mussten diese namentlich in das Antragsformular aufgenommen werden, wodurch allein drei weitere Formularseiten hinzukamen.

Zudem bestand das besondere Bedürfnis der Hausbank, sich explizit vom Bankgeheimnis freistellen zu lassen, um überhaupt gegenüber Dritten wie dem Kreditmediator, aber auch den Kammern oder den Förderinstituten, Aussagen zum Kreditantrag oder zur Bonität des Unternehmens machen zu können. Gleiches gilt im Übrigen auch hinsichtlich für den Kredit- Mithaftenden, wie zum Bespiel Sicherungsgeber.“

„In wenigen Fällen“, so Becker-Melching, hat „nach Änderung der Kreditanfrage oder aufgrund zusätzlicher Sicherheiten, eine Veränderung der Kreditentscheidung der Bank stattgefunden. Ein Mediationstisch, wie er ursprünglich konzipiert war, hat – bis auf eine Ausnahme, in der die Bank um die Vermittlung durch einen Mediationstisch unter Führung der zuständigen Kammer gebeten hat – nicht stattgefunden. Die privaten Banken sind – im Verhältnis zum Anteil am Unternehmenskreditbestand – von den Anfragen unterdurchschnittlich betroffen. Dies ist wahrscheinlich auch darin begründet, dass sich gerade kleinere Unternehmen an den Kreditmediator wenden, während größere Unternehmen über andere Mechanismen verfügen, um Meinungsverschiedenheiten mit der Hausbank zu lösen.“

Themen: Bücher, Finanzkommunikation | Kein Kommentar »

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