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Digitalisierung und Dominoeffekte

Von Dr. Oliver Everling | 27.Juli 2017

Die globalen Investitionsströme haben sich in den letzten drei Jahrzehnten spürbar verändert, stellt Vontobel fest: „Waren bis Mitte der 90er Jahre die größte Gruppe von Investoren Vorstandsmitglieder, die ihre Ersparnisse in Staats- und Unternehmensanleihen angelegt haben, machen heute Unternehmensrücklagen fast zwei Drittel der weltweiten Investitionen aus.“ Der Grund für diese Verschiebung sei vor allem bei der Digitalisierung zu finden, da das Wachstum der digitalen Wirtschaft für Unternehmen weniger Investitionen und Mitarbeiter erforderlich machen und folglich Einsparungen ermöglichen.

Als nicht irreversibler Trend trage die Digitalisierung somit zu einem stetigen Anwachsen der Bargeldbestände von Unternehmen bei, die, trotz umfangreicher Investitionen, auch in der Zukunft weiter zunehmen werden, prognostiziert Vontobel. „So verfügten laut dem Wirtschaftsmagazin Economist Microsoft, Facebook, Amazon, Alphabet (Google) und Apple im Jahr 2016 über zusammen rund 300 Milliarden US-Dollar an Netto-Bargeldreserven, wobei sich diese Zahl vermutlich bis zum Jahr 2020 auf rund 700 Milliarden US-Dollar erhöhen wird.“

Geprägt von den Erfahrungen aus der Finanzkrise und dem aktuellen Niedrigzinsumfeld sei es für viele Unternehmen nicht lukrativ, ihre hohen Bargeldbestände auf Unternehmenskonten einzuzahlen, wo nur niedrige oder sogar negative Zinsen generiert werden. Stattdessen setzen immer mehr Unternehmen auf Unternehmensanleihen, die gegenüber Staatsanleihen in den letzten beiden Jahrzehnten, trotz der Finanzkrise im Jahr 2008 und der Griechenlandkrise 2011, eine 60 Basispunkte höhere Rendite erzielt haben.

Aus dieser neuen Art der Verflechtung internationaler Konzerne wächst eine neue Dimension des Risikos für die Stabilität der Unternehmen. Während Unternehmen früher Liquidität insbesondere bei Banken hielten, führen sie heute Liquidität anderen Unternehmen in Form von Unternehmensanleihen zu. In manchen Konstellationen kann es so zu Kettenreaktionen kommen, wenn die Bonitätsschwäche eines Emittenten unterschätzt wird. Ratings müssen diese Effekte mit berücksichtigen.

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