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Entwicklungen auf dem europäischen Ratingmarkt

Von Hien Hoang | 23.September 2011

Die Kritik der letzten Wochen an den US-amerikanischen Ratingagenturen – wenn auch im Wesentlichen konzentriert auf die Bewertung von Staaten – und der Ruf nach einem europäischen Gegengewicht sind nur allzu präsent.

„Aber auch abseits der aktuellen Diskussion um eine europäische Alternative zum US-amerikanischen Ratingoligopol gewinnen europäische Agenturen an Bedeutung. Denn immer mehr Mittelständler, insbesondere in Deutschland, begeben sich auf die Suche nach Finanzierungsinstrumenten abseits der klassischen Kreditfinanzierung. Und immer mehr Unternehmen wagen den Schritt auf den Kapitalmarkt und finanzieren sich mit Hilfe von Anleihen oder Schuldscheinen.“ sagte Herr Prof. Dr. Helmut Rödl, Aufsichtsratsvorsitzender der Creditreform Rating AG.

Die Ratings europäischer Agenturen fallen im mittelständischen Segment vergleichsweise positiv aus, ist dabei in der unterschiedlichen Perspektive amerikanischer und europäischer Ratingagenturen begründet. Herr Dr. Michael Munsch, Vorstand der Creditreform Rating AG : „Denn trotz vergleichbarer Prozesse gibt es Unterschiede, beispielsweise in Bezug auf die durchschnittlich erwartete Risikoanfälligkeit von Unternehmen in Deutschland. So mögen amerikanische Agenturen durchaus höhere Insolvenzzahlen in Mitteleuropa erwarten als europäische, und insbesondere auf mittelständische Unternehmen spezialisierte Agenturen. Ein zweiter möglicher Unterschied liegt in der Bestimmung von Vergleichsgruppen. Es kommt darauf an, die „richtige“ Vergleichsgruppe zu identifizieren. Dies kann für multinationale Unternehmen eine weltumspannende Peergroup von Großkonzernen sein, bei vorrangig in Europa tätigen Unternehmen muss dies entsprechend zugeschnitten werden“.

„Mit unseren Ratings und den zugeordneten Ausfallwahrscheinlichkeiten wird das Risiko eines Investments quantifiziert“, betont Michael Munsch weiter. „Ratingergebnis und erwartete Verzinsung einer Anleihe stehen dabei in der Regel in einem engen Zusammenhang. Faktoren wie Bekanntheit und Marktwert der Emittentin, ihre Größe oder auch die Marktliquidität können ergänzenden Einfluss auf die Höhe des Kupons und die Nachfrage durch potenzielle Investoren haben. Inwieweit die Höhe des Kupons einer Mittelstandsanleihe in Bezug auf das Ratingergebnis und die damit verbundene Ausfallwahrscheinlichkeit angemessen ist, ist dagegen nicht Bestandteil des Ratings und muss vom Investor individuell entschieden werden“.

Themen: Mittelstandsrating, Unternehmensrating | Kommentare deaktiviert für Entwicklungen auf dem europäischen Ratingmarkt

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