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Factoring und Leasing im Wandel

Von Dr. Oliver Everling | 7.November 2012

Factoring hat in Deutschland eine Erfolgsgeschichte geschrieben, denn seit 2003 stieg das Volum von 35 Mrd. € auf fast 160 Mrd. € 2011, berichtet Olaf Harms von der Crefo Factoring Rhein-Main GmbH & Co. KG. Harms spricht auf der Jahrestagung „Umbruch in der Kreditkultur“, die von den WSF Wirtschaftsseminaren in Frankfurt am Main durchgeführt wird.

Factoring und Leasing beruhen dabei auf jahrzehntelanger Erfahrung, denn schon 1958 wurde das Factoringgeschäft in Deutschland eingeführt. 1962 wurden erste Leasinggesellschaften gegründet. Die Vorteile des Factoring resultieren aus dem fortlaufenden Ankauf von kurzfristigen Forderungen aus Lieferungen und Leistungen durch eine Factoring-Gesellschaft. Das Unternehmen (Factoring-Kunde) tritt seine Bruttoforderungen gegenüber seinen Mehrfachabnehmern (Debitoren) an den Factor ab, der Debitor begleicht die Forderungen dann an den Factor.

Leasing zieht seine Vorteile aus der besonderen Vertragsform der Vermietung und Finanzierung von Investitions- und Konsumgütern. Das Leasingobjekt wird entweder von einer speziellen Leasinggesellschaft vom Hersteller gekauft und dann dem Leasingnehmer übergeben (indirektes Leasing) oder direkt vom Produzenten verleast (so genanntes direktes oder Herstellerleasing).

Aus den Charakteristiken des Factoring resultieren für den Factoringkunden verschiedene Funktionen, die sich auf Liquidität, Sicherheit und Service beziehen. Die Finanzierungsfunktion betrifft die Finanzierung des Forderungsbestandes. Die Versicherungsfunktion / Delkredereschutz bezeichnet den Schutz vor Forderungsverlusten durch Übernahme des Ausfallrisikos durch den Factor, der auch nach Aufgaben des Debitorenmanagements übernimmt (Dienstleistungsfunktion).

Harms geht auf die verschiedenen Varianten ein, beim Factoring offenes und echtes Inhouse, stilles Inhouse, Fullservice und Einkaufsfactoring, beim Lesing Vollamortisation, Teilamortisation, Verträge mit offenen Restwerten sowie Mietkauf. Beim Leasing geht es um die Nutzungsüberlassung (gegen Entgelt) von Gebrauchsgegenständen, aber auch Immobilien, der Entlastung des Anlagevermögens und die Objektrückgabe nach Vertragsende.

Factoringunternehmen sind neben Leasinggesellschaften seit dem 25. 12. 2008 Finanzdienstleistungsunternehmen im Sinne des § 1 Abs. 1a Satz 2 Nr. 9 KWG. Daher zeigt Harms die Konsequenzen dieser neuen Aufsicht aus, die durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht und der Bundesbank ausgeübt wird. Factoring und Leasing vollzieht sich daher nach den Spielregeln des KG, des Geldwäschegesetzes und der Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk), das auch Risikoklassifizierungen in Form von Ratings umfasst.

Harms skizziert die Auswirkungen von Basel III: Unternehmer werden künftig noch schwerer an Bankkredite herankommen. Die Suche nach alternativen Refinanzierungsmöglichkeiten nimmt weiter zu. Gute und seriöse Leasing- und Factoringgesellschaften werden mittelfristig als Finanzdienstleistungsunternehmen weiter stark an Akzeptanz gewinnen. „Die Branche wird erneut einen Wachstumsschub erwarten können“, prognostiziert Harms. Kleinere, bankenunabhängige Factors und Leasinganbieter müssen sich ebenfalls bei Banken refinanzieren. Diese Situation könne also für kleinere, bankenunabhängige Unternehmen schwierig werden, warnt Harms. Die Kosten für Fremdkredite können somit steigen. Bankeigene Leasing- und Factoringgesellschaften können durch Basel III benachteiligt werden, denn die strengeren Vorschriften der Muttergesellschaft greifen auch bei den Tochterunternehmen.

Harms listen die Vielzahl der Vorschriften auf, die im Factoring und Leasing zu beachten sind. Im Ergebnis muss das Risikomanagement quartalsweise Risikoberichte erstellen, Risikotragfähigkeitsanalysen und Konzepte, Revisionsberichte, Stressszenarien und Stresstests, Notfallkonzepte sowie Gefährdungsanalysen. Mit Blick auf die Zukunft sieht Harms die Novellierung der MaRisk. Insgesamt resultiert ein erhöhter Verwaltungsaufwand und stärkerer Belastungsgrad für kleine Unternehmen.

Themen: Debitorenrating, Mittelstandsrating, Unternehmensrating | Kein Kommentar »

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