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Modell „Bad Bank“

Von Dr. Oliver Everling | 13.Mai 2012

Was haben die am 11. Dezember 2009 von der Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung (FMSA) errichtete Erste Abwicklungsanstalt und Everling Advisory Services gemeinsam? Zwei von drei Dreiecken des seit 1999 markenrechtlich geschützten Logos von Everling Advisory Services,  und beide haben mit Ratings zu tun – ansonsten sind die Gemeinsamkeiten begrenzt. Hier wie dort stilisieren die Dreiecke im Logo also den ersten Großbuchstaben des Alphabets.

Vom Triple A (AAA) zur AbwicklungsAnstalt (AA), das ist das Schicksal der WestLB. Aufgabe der Ersten Abwicklungsanstalt ist es, von der WestLB zum Zwecke ihrer Stabilisierung und der Stabilisierung des Finanzmarkts Risikopositionen und nichtstrategienotwendige Geschäftsbereiche mit einem Gesamtvolumen (nominal) von ursprünglich rund 77,5 Mrd. EUR zu übernehmen und diese abzuwickeln. Warum die Rettung der WestLB für den Steuerzahler günstiger durch die Gründung der Ersten Abwicklungsanstalt darstellbar ist als durch andere Maßnahmen, das zeigen Beiträge im neuen Buch von Markus Bolder und Matthias Wargers, beide Vorstandsmitglieder der Ersten Abwicklungsanstalt (EAA), eine organisatorisch und wirtschaftlich selbstständige, teilrechtsfähige Anstalt des öffentlichen Rechts innerhalb der FMSA.

Bolder und Wargers gelingt es mit ihrem Titel „Modell ‚Bad Bank': Hintergrund – Konzept – Erfahrungen“ (ISBN 978-3-8349-3345-4, www.gabler.de) nicht nur die rechtlichen und theoretischen Grundlagen zu vermitteln, sondern auch einen Praxisbericht zur Arbeit der EAA vorzulegen. Das Buch beleuchtet die wirtschaftlichen und rechtlichen Hintergründe, die Kernkompetenzen udn übergeordneten Fragen der Steuerung sowie die operative Umsetzung in insgesamt vierzehn Beiträgen namhafter Experten.

Der Leser erfährt von Prof. Dr. Stephan Paul zunächst, wie es zur Banken-, Wirtschafts- und Politikkrise kommen konnte, um dann durch Prof. Dr. Markus Rudolf alternative Konzepte zur Rettung angeschlagener Banken zu verstehen. Die Entstehung von Abwicklungsanstaltunge im rechtlichen „Wettbewerb der Systeme“, Lösungsansätze zur Übertragung von Portfolios und nciht strategienotwendigen Geschäftsbereichen auf eine „Bad Bank“ sowie die Rechtsaufsicht über Abwicklungsanstalten durch die FMSA stehen im Mittelpunkt des ersten Teils des Buches.

Im zweiten Teil geht es um die Separierung und Abwicklung von Kreditportfolios, die Herleitung und das Design eines Target Operating Models für Bad Banks, das operative Modell der EAA mit intelligenter Dienstleister und Geschäftsprozesssteuerung sowie weitere rechtliche Fragestellungen.

Hinsichtlich der operativen Umsetzung werden im dritten und letzten Teil des Buches Antworten auf Fragen nach der Steuerung und dem Controlling bzw. dem Umgang mit Risiken in einer Abwicklungsanstalt, nach dem Treasury (Refinanzierung), nach der Rechnungslegung und schließlich auch nach dem Berufsbild des „De-Investitionsbankers“ sowie der Öffentlichkeitsareit beantwortet.

Das Buch ist eine hervorragende Idee, um jenseits von Talkshows zumindest im Fachpublikum ein fundiertes Verständnis für Notwendigkeit sowie Aufbau (und „Abbau“) von Abwicklungsanstalten zu schaffen. So werden beispielsweise die Vorteile einer Abwicklungsanstalt im Rating aufgezeigt, welche Möglichkeiten sich durch ein besseres Rating eröffnen, um einerseits den für eine Abwicklungsanstalt notwendigen Kapitalbedarf zu decken und andererseits dem gesunden Teil der notleidenden Bank wieder Handlungsfähigkeit zu verschaffen.

Obwohl sich das Buch um die Erfahrungen aus der Arbeit der EAA dreht, vermittelt es auch Einblicke in alternativ mögliche Ausgestaltungsformen, wie strukturierte Lösungen durch Garantien oder Off-Balance-Sheet SPV einerseits sowie separate Einheiten wie interne Restrukturierungseinheiten und Ausgründung einer Bad Bank (wie im Falle der EAA der WestLB) andererseits.

Themen: Bücher, Rezensionen | Kein Kommentar »

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