Bonität zählt: Kurzlaufende Anleihen im Aufwind

Von Dr. Oliver Everling | 31.Juli 2025

In einem Marktumfeld, das von Unsicherheit, Volatilität und geldpolitischen Umbrüchen geprägt ist, rücken kurzlaufende Unternehmensanleihen mit hoher Bonität verstärkt in den Fokus institutioneller und privater Anleger. Besonders entscheidend für die Attraktivität dieser Anlageklasse ist dabei das Credit Rating. Es fungiert als zentrales Instrument zur Risikobewertung und Orientierung, gerade wenn es um die Auswahl von Anleihen geht, die Stabilität und Ertragspotenzial in turbulenten Zeiten vereinen sollen.

Eine aktuelle Analyse von Aberdeen Investments zeigt deutlich, wie stark die Nachfrage nach dieser Form der Kapitalanlage zuletzt gestiegen ist. Innerhalb von nur sechs Monaten beliefen sich die weltweiten Nettozuflüsse in kurzlaufende Anleihen auf 91 Milliarden GBP – ein Anstieg um 214 Prozent im Vergleich zum Vorhalbjahr. Noch klarer wird der Trend im Jahresvergleich: Während im Vorjahr noch ein Nettoabfluss von -31 Milliarden GBP zu verzeichnen war, lag der Saldo bis Ende Mai 2025 bei +120 Milliarden GBP. Dieses Interesse lässt sich nicht zuletzt auf die besonderen Eigenschaften von kurzlaufenden Anleihen mit Investment-Grade-Rating zurückführen. Sie gelten als relativ resistent gegenüber makroökonomischen Schocks und bieten eine höhere Vorhersehbarkeit der Erträge – ein entscheidender Vorteil in einem Umfeld volatiler Kapitalmärkte.

Anleihen mit Investment-Grade-Rating zeichnen sich durch solide Bilanzen, stabile Cashflows und eine vergleichsweise geringe Ausfallwahrscheinlichkeit aus. Sie sind damit eine risikoärmere Alternative zu Hochzinsanleihen, die zwar höhere Renditen versprechen, aber auch mit größerer Konjunkturabhängigkeit und Bonitätsrisiken einhergehen. Im Vergleich zu Geldmarktfonds wiederum bieten kurzlaufende IG-Anleihen oftmals attraktivere risikoadjustierte Erträge – insbesondere dann, wenn sinkende Leitzinsen die Erträge kurzfristiger Anlagen zusätzlich unter Druck setzen. Hinzu kommt, dass kurzlaufende Anleihen durch ihre geringe Duration nur in geringem Maße auf Zinsänderungen reagieren. Ihre geringe Zinssensitivität macht sie somit zu einem bevorzugten Instrument für Investoren, die ihre Portfolios gegen die Schwankungen des aktuellen Zinsumfelds absichern möchten.

Ein Blick auf die historische Entwicklung untermauert diesen Befund. Der ICE BofA 1-3 Year Global Corporate Index, ein maßgeblicher Referenzindex für diese Anlageklasse, verzeichnete in den letzten 28 Jahren lediglich ein einziges Jahr mit negativer Gesamtrendite. Diese Stabilität ist maßgeblich auf die robuste Bonitätsstruktur und das kurze Laufzeitenprofil der zugrundeliegenden Anleihen zurückzuführen. Kurzlaufende IG-Anleihen haben sich damit über Jahrzehnte hinweg als verlässlicher Baustein defensiver Portfolios bewährt.

Doch nicht nur das Credit Rating allein entscheidet über die Qualität eines Portfolios. Auch die Breite des Anlageuniversums und ein aktives Management spielen eine wesentliche Rolle. Bei Aberdeen Investments wird daher nicht nur in entwickelte Märkte investiert, sondern auch gezielt in qualitativ hochwertige Emittenten aus Asien und Schwellenländern. Besonders attraktiv erscheinen etwa Unternehmen aus dem Versorgungssektor oder dem Bereich erneuerbare Energien – zum Beispiel in Indien, wo politische Unterstützung und hohe Binnennachfrage stabile Rahmenbedingungen schaffen. Hinzu kommt die gezielte Allokation in Anleihen mit sehr kurzer Restlaufzeit (unter einem Jahr), ein Segment mit oft besonders günstigen risikoadjustierten Renditen, das in traditionellen Benchmarks nur eine untergeordnete Rolle spielt.

Ein aktives Management ermöglicht es außerdem, durch flexible Allokation zusätzliche Renditepotenziale zu erschließen. So werden selektiv auch Papiere mit niedrigerem Investment-Grade-Rating (z. B. BBB), hochwertige Hochzinsanleihen und nachrangige Finanzanleihen beigemischt – vorausgesetzt, sie bieten eine attraktive Risiko-Rendite-Struktur. Gleichzeitig werden in überverkauften Marktsegmenten gezielt Chancen genutzt, während bei überzogenen Bewertungen bewusst Risiken reduziert werden. Das Ergebnis ist ein breit diversifiziertes, aktiv gemanagtes Portfolio mit einer durchschnittlichen Duration von zwei Jahren, einem Rating im Bereich A- und einer Zielvolatilität von lediglich ein bis zwei Prozent.

Für Anleger bieten kurzlaufende IG-Anleihen damit eine defensive, aber gleichzeitig renditestarke Alternative in einem zunehmend komplexen Marktumfeld. Gerade in Phasen erhöhter Unsicherheit – etwa ausgelöst durch geopolitische Spannungen, inflationäre Tendenzen oder fiskalpolitische Risiken – bietet diese Anlageform ein hohes Maß an Stabilität, ohne auf attraktive Erträge verzichten zu müssen. Wer darüber hinaus die Chancen aktiven Managements nutzt, kann seine Portfolios gezielt gegen Bonitätsrisiken absichern, Renditechancen selektiv nutzen und dabei auch auf neue Wachstumsregionen setzen. In einer Welt voller Unwägbarkeiten bleibt die Kreditwürdigkeit der Emittenten ein verlässlicher Kompass – und kurzlaufende Anleihen mit hoher Bonität ein solides Fundament für jedes ausgewogene Anleiheportfolio.

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Anleihemarkt trotzt globalen Unsicherheiten und eröffnet neue Chancen

Von Dr. Oliver Everling | 31.Juli 2025

Während geopolitische Unsicherheiten zunehmen und sich die globale Wirtschaftsordnung im Wandel befindet, zeigt sich der internationale Anleihemarkt bemerkenswert stabil. Trotz der vielfältigen Herausforderungen sind laut Michael Weidner, Geschäftsführer und Co-Head of Global Fixed Income bei Lazard Asset Management, derzeit keine Dislokationen zwischen Angebot und Nachfrage zu beobachten. Vielmehr eröffnen sich über sämtliche Regionen und Marktsegmente hinweg zahlreiche Anlagechancen – vorausgesetzt, Investoren setzen auf eine differenzierte Allokation und gezielte Titelauswahl.

Besonders attraktiv erscheinen derzeit Covered Bonds. Mit Ratings im Bereich von AA bis AAA, mittleren Laufzeiten und einer historisch gesehenen Ausfallquote von null gelten sie als solide Anlageklasse mit niedrigem Risiko. „Global haben wir in diesem Segment eine Anlageklasse mit vergleichsweise attraktiven Renditen“, so Weidner. Trotz dieser positiven Merkmale fristen Covered Bonds laut seiner Einschätzung ein Schattendasein, obwohl ihre geringe Volatilität in einem Umfeld zunehmender Unsicherheit ein klares Argument für eine stärkere Gewichtung ist.

Auch Unternehmensanleihen bieten Potenzial, wenn auch selektiv. Zwar sind die Spreads zuletzt enger geworden, doch etwa in nordeuropäischen Hochzinsmärkten lassen sich laut Weidner weiterhin interessante Chancen aus Risiko-Rendite-Sicht identifizieren. „Die Ausfallraten im europäischen High-Yield-Segment sind stabil auf niedrigem Niveau. Die meisten Emittenten verfügen über robuste Geschäftsmodelle und solide Margen“, betont der Experte.

Staatsanleihen rücken ebenfalls wieder stärker in den Fokus. Besonders Japan liefert ein Beispiel für ein attraktives Renditeprofil: „30-jährige japanische Staatsanleihen rentieren inzwischen über drei Prozent – währungsgesichert sind über fünf Prozent möglich“, erläutert Weidner. Auch einige südeuropäische Länder hätten sich beeindruckend entwickelt. Griechenland habe eine bemerkenswerte Renaissance erlebt, Spanien gelte als „Wachstumsmeister der Eurozone“ und Portugal befinde sich ebenfalls auf einem soliden Kurs.

Demgegenüber fällt die Einschätzung zu Frankreich und dem Vereinigten Königreich deutlich kritischer aus. Frankreich sieht Weidner als das „schwächste Glied in der Eurozone“, mit verhaltener Wachstumsdynamik, hohem Haushaltsdefizit und eingeschränkter politischer Handlungsfähigkeit. In Großbritannien belaste insbesondere die Dienstleistungsinflation den Markt. Trotz attraktiver Langfristrenditen von rund 5,5 Prozent seien die Nachwirkungen der Truss-Ära, die Unsicherheiten infolge des Brexits und die schwache geldpolitische Reaktionsfähigkeit der Bank of England Risikofaktoren, die eine vorsichtige Haltung nahelegen.

Auch währungsseitig sind Herausforderungen präsent. Die Schwäche des US-Dollars wirft Fragen nach seiner zukünftigen Rolle als Leitwährung auf. „Noch gibt es keine echte Alternative – weder Euro noch Renminbi können diese Rolle derzeit ausfüllen“, erklärt Weidner. Zwar profitiere der Schweizer Franken von seiner Stabilität, sei aber für großvolumige Umschichtungen zu klein. Für institutionelle Anleger bleibe daher eine aktive Steuerung der Währungsrisiken zentral, um sowohl Chancen zu nutzen als auch Risiken abzufedern.

In einem Umfeld, das von geopolitischer Komplexität und ökonomischer Divergenz geprägt ist, gewinnt aktives Management zunehmend an Bedeutung. „Wir befinden uns in einer Phase, in der sich regionale Divergenzen wieder stärker bemerkbar machen“, so Weidner. Entsprechend positioniert sich das Global Fixed Income-Team von Lazard Asset Management mit einer bewussten Allokation in Covered Bonds, selektiven Hochzinsanleihen aus Skandinavien, chancenreichen Staatsanleihen aus Japan und Südeuropa sowie einer konsequenten Steuerung von Währungsrisiken. „Der globale Anleihemarkt bietet wieder echte Chancen – und damit die Möglichkeit, durch eine geschickte Auswahl Mehrwert zu generieren“, resümiert Weidner.

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Allzeithochs, künstliche Intelligenz und die Zukunft der Credit Ratings

Von Dr. Oliver Everling | 29.Juli 2025

Wenn Aktienmärkte neue Allzeithochs erreichen, sorgt das bei vielen Investoren für Unruhe – aus Sorge, dass auf die Höhenflüge ein Absturz folgt. Gleichzeitig erleben wir mit dem Durchbruch generativer und zunehmend physischer künstlicher Intelligenz (KI) eine technologische Revolution, deren Auswirkungen die Bewertung von Unternehmensrisiken und Zukunftspotenzialen grundlegend verändern. Zwei Entwicklungen, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben, ergeben zusammen betrachtet ein neues Verständnis für nachhaltige Wertschöpfung – und für die Rolle von Credit Ratings.

Duncan Lamont, CFA und Head of Strategic Research bei Schroders, hat fast 100 Jahre Marktdaten analysiert und kommt zu einem klaren Schluss: „Der Markt ist häufiger auf einem Allzeithoch, als man denkt.“ In 31 % der Monate seit 1926 notierte der US-Aktienmarkt auf einem Rekordstand – und gerade dann waren die nachfolgenden Renditen im Durchschnitt höher als in anderen Marktphasen: 10,4 % über der Inflation im Vergleich zu 8,8 % sonst. Noch gravierender ist der langfristige Unterschied: Wer bei Allzeithochs ausstieg und auf bessere Einstiegszeitpunkte wartete, verlor über 90 % potenziellen Vermögenszuwachs.

Diese Erkenntnisse stellen eine Herausforderung für klassische Risikomodelle dar, wie sie etwa in Credit Ratings zur Anwendung kommen. Wenn Hochstände nicht automatisch auf eine Überhitzung oder bevorstehenden Abschwung hindeuten, dann sollten Bonitätsanalysen künftig weniger an kurzfristiger Zyklik und mehr an strukturellen Entwicklungen orientiert sein. Und genau hier kommt die zweite große Entwicklung ins Spiel: die Künstliche Intelligenz.

„KI ist keine Plattform oder ein einfaches Produktivitätswerkzeug. KI ist die Technologie hinter anderen Technologien“, schreibt Brice Prunas, Portfoliomanager des ODDO BHF Artificial Intelligence Fonds. Damit sei sie nicht nur ein mächtiger Motor des Wandels, sondern ein strukturelles Investmentthema – mit Auswirkungen auf Medizin, Wissenschaft, Industrie, Bildung und sogar die Alterspflege. Prunas zieht den Vergleich zur Stadtentwicklung: „Wenn KI Paris wäre, befinden wir uns im Zeitalter von Baron Haussmann. Das Fundament wird gelegt, doch die Gebäude werden gerade erst bezogen.“

Diese langfristige Perspektive ist entscheidend – nicht nur für Investoren, sondern auch für Ratingagenturen. Wenn Technologien wie AlphaFold (die Struktur von 200 Millionen Proteinen entschlüsselnd) den Nobelpreis ermöglichen, wenn Kapital den Produktionsfaktor Arbeit zunehmend ersetzt und KI in Drohnen, humanoiden Robotern und autonomen Fahrzeugen physisch sichtbar wird, dann verändert sich die Grundlage unternehmerischer Wertschöpfung fundamental.

Solche strukturellen Treiber müssen sich in Kreditbeurteilungen stärker niederschlagen – sowohl in Chancen als auch in Risiken. Wer etwa Unternehmen negativ bewertet, weil sie „am Zyklus-Hoch“ agieren, übersieht womöglich ihre strategische Positionierung in transformativen Märkten wie KI. Gleichzeitig verlangt die enorme Dynamik in der KI-Entwicklung von Analysten ein tieferes Verständnis von technologischen Plattformen, geopolitischen Risiken (z. B. durch China), regulatorischen Rahmenbedingungen und ethischen Herausforderungen.

„KI ist kein kurzfristiger Hype, sondern eine zivilisatorische Umwälzung“, betont Prunas. Gerade deshalb sei es auch keineswegs zu spät, in das Thema zu investieren – im Gegenteil: „In einigen Aspekten geht es jetzt erst los.“ Die Bewertungen hält er angesichts der Wachstumsperspektiven für vernünftig.

Vor diesem Hintergrund sollte auch die Bonitätsanalyse nicht in der Vergangenheit verharren. Allzeithochs sollten nicht reflexartig als Warnsignal gewertet werden, sondern differenziert im Kontext technologischer, gesellschaftlicher und makroökonomischer Megatrends betrachtet werden. KI ist ein solcher Megatrend – mit einer disruptiven Kraft, die nicht nur Märkte, sondern auch die Grundlagen der Kreditbewertung neu schreiben könnte.

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Zwischen Rauschen und Rhythmus – Warum Kondratjews Zyklen keine Sicherheit geben

Von Dr. Oliver Everling | 23.Juli 2025

Die Suche nach Orientierung an den Finanzmärkten gleicht dem Versuch, in einem Sturm mit Kompass und Sternen zu navigieren – beides hilfreich, aber keineswegs unfehlbar. Dr. Georg von Wallwitz, Gründer der Münchner Vermögensverwaltung Eyb & Wallwitz, wagt in seinem aktuellen Börsenblatt dennoch eine Standortbestimmung der globalen Aktienmärkte und findet Inspiration bei einem alten Bekannten der ökonomischen Zyklenforschung: Nikolai Kondratjew, dem wohl bedeutendsten Ökonomen der Sowjetzeit. Kondratjew prägte in den 1920er Jahren die Theorie der „langen Wellen“, jener angeblich über Jahrzehnte andauernden Innovations- und Wachstumszyklen, die wirtschaftliche Entwicklungen maßgeblich prägen sollen. Und tatsächlich: Wer die Geschichte der Industrialisierung, Elektrifizierung, Automobilisierung, Digitalisierung und nun Künstlichen Intelligenz betrachtet, kann der Versuchung schwer widerstehen, darin ein gewisses Muster zu erkennen.

Doch Wallwitz bleibt skeptisch gegenüber jeder Form mechanistischen Denkens in einer Welt, die nicht nur komplex, sondern stochastisch ist. „Es mag schwer sein festzustellen, wo wir im Börsenzyklus stehen. Aber es ist nicht unmöglich, die Treiber hinter den größeren Bewegungen an der Börse anzugeben“, schreibt er. Zu diesen Treibern zählt er klassische Stimmungsindikatoren wie FOMO („Fear of missing out“) oder TINA („There is no alternative“), die in Phasen der Euphorie Investoren zu blinden Käufen verleiten – genau dann, wenn Vorsicht angebracht wäre. Umgekehrt signalisiert tiefes Misstrauen und allgemeine Krisenrhetorik womöglich attraktive Einstiegsgelegenheiten.

Gleichzeitig macht Wallwitz deutlich, dass Kondratjew-Zyklen nur eine grobe Orientierung bieten können. Denn was in den langen Wellen nach Plan aussieht, ist im Tagesgeschäft der Börse oft nur ein Rauschen, das kaum zu deuten ist. „Nothing ever happens“ – so bringt er die gegenwärtige Marktlage auf den Punkt. Der dramatische Zinsanstieg seit 2022, geopolitische Spannungen, Inflation, Staatsschulden – nichts davon hat den Aktienmarkt bislang ernsthaft ins Wanken gebracht. Alles scheint eingepreist, alles scheint verkraftbar. Selbst der Aufstieg Donald Trumps oder die geopolitischen Risiken in China und der Ukraine lassen die Märkte bislang weitgehend kalt.

Vor diesem Hintergrund erscheint der derzeit laufende „KI-Zyklus“ als Teil eines größeren Kondratjew-Zyklus: eine Neuauflage der Digitalisierung, wie sie seit den 1980er Jahren begonnen hat. Seit Mitte der 2010er Jahre nimmt die Künstliche Intelligenz Fahrt auf, und Wallwitz sieht darin den Motor des aktuellen Wachstumsversprechens – oder auch nur des Marktrauschens. Zwar gibt es Zweifel an der wirtschaftlichen Tragfähigkeit der enormen Investitionen, doch die Vision eines neuen Produktivitätswunders überstrahlt derzeit jede Skepsis.

Und dennoch bleibt das Dilemma bestehen: Die langfristigen Zyklen mögen faszinierend sein, aber sie sind für Anleger kaum handhabbar. Gerade die Kritik an Kondratjews Theorie bemängelt, dass seine Zyklen erst im Rückblick konstruiert werden und weder genaue Dauer noch Wendepunkte zuverlässig vorhersagbar sind. Der rückschauende Blick mag eine gewisse Ordnung suggerieren, doch die reale Welt der Märkte ist von Unsicherheit, Zufällen und politischer Willkür geprägt.

„Nothing ever happens. Until it does.“ Mit diesem lakonischen Schlusssatz bringt Wallwitz die Essenz seines Marktbilds auf den Punkt. Die Ruhe der Märkte ist trügerisch, denn sie birgt die Möglichkeit des plötzlichen Umschwungs. Solange dieser nicht eintritt, bleibt der Börsenalltag ein Tanz auf dem Vulkan, der mal in Optimismus, mal in Angst mündet – aber nie in Sicherheit.

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Käuferstreik an den Kapitalmärkten – Warnsignale trotz positiver Rahmendaten

Von Dr. Oliver Everling | 22.Juli 2025

Während die weltweiten Börsen weiterhin von positiven wirtschaftlichen Impulsen und soliden Unternehmensdaten getragen werden, zeichnet sich hinter den Kulissen eine potenziell kritische Entwicklung ab: Phasen selektiver Zurückhaltung institutioneller Investoren – sogenannte „Käuferstreiks“. Besonders am US-Anleihemarkt könnten diese zum entscheidenden Risikofaktor werden.

Obwohl das konjunkturelle Umfeld stabil bleibt und die Risikoneigung der Anleger hoch ist, häufen sich die strukturellen Spannungen, die solche Käuferstreiks begünstigen. Wie Dr. Eduard Baitinger, Leiter Asset Allocation der FERI AG, beschreibt, profitiert der Markt aktuell von einer Vielzahl unterstützender Faktoren: „Die US-Konjunktur wächst solide und zeigt keine Anzeichen einer Überhitzung, während der zollbedingte Inflationsanstieg bislang deutlich geringer ausfällt als zunächst befürchtet.“ Auch die anhaltende Schwäche des US-Dollars spielt dabei eine zentrale Rolle. Große US-Unternehmen, die stark international aufgestellt sind, profitieren direkt, denn „ein schwächerer US-Dollar macht ihre Waren und Dienstleistungen in anderen Währungsräumen wettbewerbsfähiger.“

Doch genau hier beginnt sich ein kritischer Gegensatz aufzubauen: Die fundamentale Stärke der Märkte steht zunehmend im Widerspruch zu deren Bewertung. Baitinger warnt, dass die Börsenbewertungen – insbesondere bei Large Caps – „nahe an neuen Höchstständen liegen.“ Dies begrenze den Spielraum für weitere Kurssteigerungen und erhöhe die Sensitivität gegenüber negativen Nachrichten. Das allein sei jedoch „kein verlässlicher Indikator für eine baldige Marktkorrektur“, sondern vielmehr ein Risikofaktor, der in Verbindung mit anderen Entwicklungen, etwa geldpolitischen Unsicherheiten, verstärkt wirken kann.

Ein zentraler Treiber möglicher Käuferstreiks ist die Geldpolitik der US-Notenbank. Während andere Zentralbanken bereits einen Zinssenkungszyklus eingeleitet haben, bleibt die Federal Reserve abwartend – auch wegen der „zollbedingten Inflationsrisiken,“ wie Baitinger erklärt. Sollte sich die Inflation jedoch weiterhin moderat entwickeln, wächst der Druck auf die Fed, ihren geldpolitischen Kurs zu lockern. Doch genau hier beginnt ein weiterer Risikokomplex: der politische Druck auf die Notenbank. Baitinger verweist auf die wachsenden Sorgen um die Unabhängigkeit der Fed, da „der politische Druck Trumps auf Fed-Chef Jerome Powell bestehen bleibt.“

Diese Unsicherheiten haben unmittelbare Auswirkungen auf den Anleihemarkt. Insbesondere langlaufende US-Staatsanleihen könnten verstärkt unter Druck geraten. Wie Baitinger betont, „könnten sie eine erhöhte Schwankungsbreite aufweisen und immer wieder von Phasen sogenannter ‚Käuferstreiks‘ betroffen sein.“ In solchen Phasen verweigern sich institutionelle Investoren dem Markt, weil sie entweder auf klarere geldpolitische Signale warten oder die Bewertung als zu ambitioniert empfinden – mit potenziell weitreichenden Folgen für die Marktstabilität und die Finanzierungskosten der US-Regierung.

Ein Käuferstreik ist damit Ausdruck einer latenten Vertrauenskrise – nicht als plötzliche Schockreaktion, sondern als schleichender Rückzug aus dem Markt. Investoren beobachten zwar ein positives Umfeld, sehen aber kaum Spielraum für zusätzliche Rendite und gleichzeitig steigende politische Risiken. In einer solchen Gemengelage reichen moderate Störungen, um große Umschichtungen auszulösen.

Auch wenn aktuell vieles für eine Fortsetzung des Aufwärtstrends an den Börsen spricht, bleiben strukturelle Risiken wie Käuferstreiks ein unterschätzter, aber zunehmend relevanter Faktor. Marktteilnehmer sollten diese Dynamik genau im Blick behalten – nicht zuletzt, weil sie oft leise beginnt, aber spürbar endet.

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Alken Fund setzt auf Qualität und Chancen im Umfeld geldpolitischer Lockerung

Von Dr. Oliver Everling | 22.Juli 2025

Die Experten des Alken Fund erwarten, dass die Zentralbanken ihre Politik der geldpolitischen Lockerung angesichts der derzeitigen konjunkturellen Lage fortsetzen. Robin Dunmall, Portfoliomanager des Alken Fund Income Opportunities und des Alken Fund Global Convertibles, erklärt: „Die Europäische Zentralbank ist der US-Notenbank Fed im Lockerungszyklus voraus und betont immer wieder, dass sie sich näher am Ende der Lockerung befindet als am Anfang. Dennoch erwarten wir, dass sie reaktiv bleibt und weitere Zinssenkungen folgen könnten, falls sich die Handelskonflikte verschärfen.“ Auch in den USA hält Dunmall weitere Zinssenkungen für wahrscheinlich, sollte sich die geopolitische Lage zuspitzen. Dabei merkt er an: „Trotz der wenig hilfreichen Politisierung des Prozesses durch Präsident Trump teilt Fed-Chef Powell letztlich dessen Wunsch nach niedrigeren Zinsen. Die vorsichtige Haltung der Fed angesichts zunehmender Unsicherheiten ist nachvollziehbar. Wir gehen jedoch davon aus, dass sie sich weiterhin strategisch positioniert, um bei spürbaren wirtschaftlichen Belastungen durch die Zölle entschlossen handeln zu können.“

In diesem Umfeld sieht Dunmall gute Chancen für die beiden Alken-Fonds. Er betont: „Insgesamt bleiben die Gesamtrenditen auf attraktivem Niveau und bieten damit einen soliden Puffer für die Erträge.“ Die Strategie der breiten Diversifikation über Regionen, Sektoren und Emittententypen hinweg sowie die selektive Titelauswahl mit Fokus auf fundamentale Qualität hat sich laut Dunmall bewährt: „Auch wenn Sorgen über die Unabhängigkeit der Fiskalpolitik die Laufzeitprämien weiterhin hoch halten dürften, deuten jüngste Aussagen von US-Finanzminister Scott Bessent zur verstärkten Nutzung kurzfristiger Finanzierungen darauf hin, dass die Regierung bestrebt ist, den Druck auf langfristige Renditen zu senken.“

Dunmall bleibt trotz attraktiver Gelegenheiten vorsichtig: „Angesichts teils hoher Bewertungen bleibt der Fokus klar auf der Qualität der Emittenten und laufenden Erträgen.“ Auch Währungsumschichtungen werden sorgsam überlegt: „Eine selektive Umschichtung von Euro- in USD- und GBP-denominierte Anleihen wird im Hinblick auf die weiter unsichere geldpolitische Ausrichtung der Notenbanken sorgfältig abgewogen.“

Im Juni lieferten alle Sektoren positive Beiträge zur Wertentwicklung des Alken Fund Income Opportunities. Besonders hervorgehoben wurden Technologie- und Finanzwerte, unter anderem IBM Corp 2032 und Upstart 2026. In Europa überzeugten unter anderem Anleihen von Santander (2032), Intesa Sanpaolo (2033) und MTU Aero 2027.

Auch Wandelanleihen verzeichneten eine positive Entwicklung, unterstützt durch Hoffnungen auf ein Handelsabkommen und stabilere geopolitische Verhältnisse. Dunmall erklärt: „Die Spreads haben sich bereits Ende Juni angesichts der positiveren Markterwartungen mit Blick auf die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten und bessere Aussichten zu Handelsabkommen eingeengt.“ Im Alken Fund Global Convertibles legten Wandelanleihen weltweit um über 2 Prozent zu, besonders stark in den USA. Im Portfolio stachen SK Hynix in Asien sowie Carnival und Uber in Nordamerika heraus.

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Zwischen Sommerflaute und Marktturbulenzen in den Urlaub

Von Dr. Oliver Everling | 21.Juli 2025

Die Sommermonate gelten gemeinhin als ruhigere Börsenphase, doch gerade in dieser Zeit lauern zahlreiche Risiken, die Anleger nicht unterschätzen sollten. Laurent Denize, Co-CIO von ODDO BHF, warnt in seinem aktuellen Investment Brief eindringlich: „Die Geschichte lehrt, dass es an den Märkten gerade dann schnell turbulent werden kann, wenn man es am wenigsten erwartet.“ Bereits im August 2024 sorgte ein schwacher US-Arbeitsmarktbericht für Irritation, weitere enttäuschende Daten verstärkten die Sorgen um eine mögliche Konjunkturabkühlung in den USA. Gleichzeitig führte eine Zinserhöhung der Bank of Japan zur plötzlichen Auflösung von Yen-Carry-Trades – der japanische Aktienindex Topix verlor innerhalb eines Tages mehr als 12 %.

In einem solchen Umfeld empfiehlt Denize eine sorgfältig justierte Anlagestrategie. Besonders im Fokus stehen die drohende Eskalation im globalen Zollstreit sowie die aktuelle Berichtssaison. Die Unsicherheit rund um neue US-Zölle sei „noch lange nicht vorüber“, und deren ökonomische Auswirkungen seien „noch nicht vollständig eingepreist“. Besonders für die Eurozone könnten neue Handelsbarrieren erhebliche Wachstumseinbußen mit sich bringen. Gleichzeitig zeigt die Quartalsberichtssaison erste Schwächezeichen, insbesondere in Europa, wo ein Gewinnrückgang im Jahresvergleich von zwei Prozent erwartet wird – ein Fünf-Quartals-Tief. Sektoren mit hoher US-Abhängigkeit seien dabei besonders anfällig, so Denize, der zudem mit weiteren Abwärtskorrekturen der Gewinnprognosen für 2025 rechnet.

Ein widersprüchliches Bild zeigt sich in den USA: Während „harte“ Daten stärker als erwartet ausfallen, deuten „weiche“ Daten auf schwindendes Vertrauen hin. Die Inflation bleibt laut Denize das „zentrale Marktrisiko“, insbesondere wenn Unternehmen versuchen, Zollkosten an Konsumenten weiterzugeben – was Zinssenkungserwartungen gefährden und die Märkte negativ überraschen könnte. Verstärkt wird dieses Risiko durch mögliche Verwerfungen am US-Anleihemarkt. Das von Donald Trump geplante Konjunkturpaket könnte das Defizit um mehrere Billionen erhöhen. Gleichzeitig bestehen Zweifel an der Unabhängigkeit der Notenbank, sollte Trump erneut versuchen, Einfluss auf die Fed auszuüben.

Für Europa richtet sich der Blick auf die sogenannte „Bazooka“, ein angekündigtes Investitionspaket deutscher Unternehmen in Höhe von 300 Mrd. Euro. Diese Chance könne ein Wendepunkt sein, betont Denize, doch nur wenn begleitende Strukturreformen umgesetzt würden. „Jede diesbezügliche Enttäuschung könnte Zweifel daran aufkommen lassen, ob der Wandel tatsächlich (zügig) kommt.“ Anleger sollten daher die anstehenden Gespräche zwischen Politik und Wirtschaft genau verfolgen.

Trotz allem sind Anleger momentan nicht übermäßig riskant positioniert. Das birgt Chancen, aber auch Gefahren. „Das bisherige Ausbleiben eines Aktienabverkaufs bedeutet auch, dass Negativnachrichten anderer Art eine Reaktion an den Aktienmärkten auslösen könnten“, erklärt Denize. Die Kursniveaus – vor allem in den USA – seien hoch, weshalb eine vorsichtige Haltung geboten sei. Technologiewerte dominieren den Markt, doch hier warnt Denize vor zu starker Konzentration. Auch wenn KI-Investitionen großes Potenzial bergen – allein vier Unternehmen wollen 2025 rund 300 Milliarden US-Dollar investieren –, müsse man genau beobachten, ob Unternehmen ihre Pläne in diesem Bereich tatsächlich umsetzen und wie sich dies auf die Margen auswirkt.

Geopolitische Risiken, insbesondere ein möglicher Anstieg der Ölpreise, bleiben ebenfalls ein Unsicherheitsfaktor. Zwar sieht Denize fundamental keinen Anlass für einen Ölpreisschock, dennoch könnte ein geopolitisches Ereignis die Inflation kurzfristig anheizen. Die Folge wären dann Zinspausen oder gar -erhöhungen statt der aktuell eingepreisten Lockerungen.

Eine weitere Marktbewegung geht vom Euro-Dollar-Wechselkurs aus. Der US-Dollar habe gegenüber dem Euro deutlich an Wert verloren, was zwar US-Importpreise senke, aber den Druck auf europäische Exporteure erhöhe. „In den kommenden Monaten ist daher eine Konsolidierungsphase wahrscheinlich“, so Denize, bevor es zu einer erneuten Dollar-Abwertung kommen könnte.

Auch China bleibt im Blick: Dort wird mit weiteren Konjunkturimpulsen gerechnet – unter anderem durch höhere Staatsausgaben, Zinssenkungen oder Kredite für Infrastruktur. Doch ein Wiederaufflammen der Immobilienkrise könnte den chinesischen Aktienmarkt und das globale Sentiment belasten.

Daraus leitet Denize klare Allokationsempfehlungen ab. Er hält eine leicht übergewichtete Aktienquote, rät aber dazu, den Tracking Error zu senken. US-Aktien sollten leicht untergewichtet werden, europäische hingegen leicht übergewichtet – insbesondere Small Caps. „Die auf Rekordhochs liegenden Aktienkurse bestärken uns in unserer vorsichtigen Haltung.“ Bei Anleihen setzt er auf eine übergewichtete Duration in EU-Staatsanleihen und ein taktisches Übergewicht in US-Treasuries. Kurzlaufende Unternehmensanleihen im Investment-Grade- und Hochzinsbereich bleiben attraktiv – insbesondere wegen des „guten Carry-Potentials“. Die Aufwertung des Euro sieht Denize noch nicht als abgeschlossen – langfristige Indikatoren sprächen für eine Fortsetzung.

Abschließend mahnt Denize zur Wachsamkeit: „Zwar dürfte keiner dieser Faktoren allein eine größere Korrektur auslösen, doch die Kombination aus schwächeren Konjunkturdaten, politischen Überraschungen und der Positionierung der Anleger könnte für eine verstärkte Marktreaktion sorgen.“ Wer seine Sommerpause genießen will, sollte dies also nicht mit geschlossenen Augen tun.

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Dient Donald Trump unbewusst den Schwellenländern?

Von Dr. Oliver Everling | 17.Juli 2025

Die politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen von Donald Trump, insbesondere während seiner Amtszeit als US-Präsident, hatten vielfach globale Auswirkungen. Dabei stellt sich die interessante Frage: Könnte es sein, dass Trump – ungeachtet seiner „America First“-Strategie – unbewusst den Schwellenländern dient?

Ein zentraler Aspekt dieser Debatte ist die Entwicklung des US-Dollars. Nach Einschätzung von Carlos de Sousa, Emerging Markets Portfolio Manager bei Vontobel, hat der anhaltende Rückgang des US-Dollars erhebliche positive Auswirkungen auf Schwellenländeranlagen. De Sousa führt aus:

„Die breit angelegte Abschwächung des US-Dollars, die durch sinkende Wachstumsdifferenzen, strukturelle Haushaltsdefizite, anhaltenden Inflationsdruck sowie einen zunehmenden Vertrauensverlust in wichtige US-Institutionen ausgelöst wurde, hat signifikante Auswirkungen auf Schwellenländeranlagen.“

Diese Entwicklung wurde zumindest teilweise durch Trumps Politik mitgeprägt – etwa durch expansive Fiskalmaßnahmen, den Handelskonflikt mit China sowie institutionelle Spannungen innerhalb der US-Demokratie. All dies trägt zur Schwächung des Vertrauens in die US-Wirtschaft bei – und damit zur Schwächung der US-Währung.

Für Schwellenländer kann dies geradezu ein Geschenk sein. De Sousa betont:

„Ein anhaltender Rückgang des Dollars würde unserer Ansicht nach die Stimmung gegenüber Schwellenländern deutlich verbessern, insbesondere gegenüber Anleihen in lokaler Währung. Diese würden aufwerten, da die Bewertung von Anleihen in Schwellenländerwährungen im Zusammenhang mit dem schwächer werdenden US-Dollar ansteigt.“

Zusätzlich könnten Trumps protektionistische Maßnahmen wie Strafzölle paradoxerweise dämpfende Effekte auf die Inflation außerhalb der USA haben:

„Während der Zollschock für die USA inflationär ist, dürfte er sich auf den Rest der Welt disinflationär auswirken (vorausgesetzt, die meisten Länder sehen von Vergeltungsmaßnahmen ab). Der geringere Verbrauch von Importgütern in den USA – bedingt durch die höheren Preise – wird wahrscheinlich zu einem Überangebot an langlebigen Gütern in der übrigen Welt führen.“

Dieses Überangebot kann zu sinkenden Preisen und einem stabileren wirtschaftlichen Umfeld in Schwellenländern führen. Das macht diese Märkte wiederum attraktiver für Investoren, wie De Sousa erläutert:

„Für institutionelle Investoren spricht vieles für ein Engagement in Schwellenländerwährungen: Positive Realzinsen, günstige makroökonomische Trends und ein potenziell anhaltender Abwertungsdruck auf den US-Dollar schaffen ein attraktives Umfeld für lokale EM-Rentenmärkte.“

Fazit: Auch wenn Donald Trumps wirtschaftspolitisches Handeln in erster Linie auf die Stärkung der US-Wirtschaft abzielte, könnte es unbeabsichtigt positive Nebeneffekte für Schwellenländer entfalten. Eine schwächere US-Währung, inflationsbedingte Verschiebungen im Welthandel und die Suche nach attraktiveren Anlagemöglichkeiten könnten genau jene Märkte stärken, die Trump in seiner nationalistischen Rhetorik oft vernachlässigte. Damit bleibt die Frage im Raum stehen: Dient Donald Trump – wenn auch unbeabsichtigt – als Katalysator für den Aufstieg der Schwellenländer?

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Schroders Capital semi-liquider Private-Equity-ELTIF

Von Dr. Oliver Everling | 16.Juli 2025

Schroders Capital, die Private-Markets-Sparte des britischen Vermögensverwalters Schroders mit einem verwalteten Vermögen von 99,3 Milliarden US-Dollar, bringt einen neuen European Long-Term Investment Fund (ELTIF) auf den Markt. Der „Schroders Semi-Liquid Global Private Equity ELTIF“ richtet sich explizit auch an Privatanleger und vereint die Expertise institutioneller Investments mit einem flexiblen Fondsdesign, das regelmäßige Einzahlungen sowie vierteljährliche Rücknahmen erlaubt. Der Fonds nutzt den neuen ELTIF-2.0-Rahmen, der seit Anfang 2024 gilt und es erlaubt, Private-Markets-Anlagen einer breiteren Anlegerbasis zugänglich zu machen. Georg Wunderlin, CEO von Schroders Capital, unterstreicht diese Entwicklung: „Es gibt ein stark steigendes Interesse an Privatmarkt-Investments bei Privatanlegern in Deutschland, die in der Vergangenheit jedoch keine oder nur sehr begrenzte Anlagemöglichkeiten in diesem Bereich vorfanden. Das ändert sich nun glücklicherweise.“

Der neue Fonds investiert vor allem in Buyouts von kleinen und mittelgroßen Unternehmen in Europa und Nordamerika und wird sich stark auf Co-Investments sowie GP-geführte Sekundärtransaktionen stützen – eine Strategie, die laut Anbieter kosteneffizient und wachstumsorientiert ist. Mit dem Launch des ELTIF knüpft Schroders Capital an den Erfolg seines bestehenden „Schroders Capital Semi-Liquid Global Private Equity Fund“ an, der seit seiner Auflegung im Jahr 2019 eine annualisierte Rendite von 14,3 Prozent erzielt hat und mittlerweile ein Volumen von über 2,4 Milliarden US-Dollar verwaltet. Benjamin Alt, Head of Global Private Equity Portfolios bei Schroders Capital, betont das Potenzial von Private-Equity-Investments gerade im Small- und Mid-Market-Bereich: „Private Equity hat in der Vergangenheit sowohl unter guten als auch herausfordernden Marktbedingungen hohe Renditen erzielt. Unsere Analysen zeigen, dass Private-Equity-Anlagen im Small- und Mid-Market-Segment im Allgemeinen die Aktienmärkte übertroffen haben. Die Outperformance verdoppelte sich sogar in schwachen Börsenphasen.“

Auch Alexander Prawitz, Country Head für Deutschland, Österreich, CEE und Mittelmeerregion bei Schroders, sieht im neuen ELTIF-Fonds einen wichtigen Schritt zur Demokratisierung des Zugangs zu Private Markets: „Mit der flexiblen Struktur unseres neuen ELTIF-Fonds tragen wir zur weiteren Demokratisierung von Private-Markets-Anlagen in Deutschland und Europa bei.“ Besonders hebt er hervor, dass der Fonds direkt in ein bereits bestehendes institutionelles Portfolio investiert: „Ein besonderes Merkmal des Fonds liegt in seiner Struktur: Der ELTIF wird direkt in ein bereits seit drei Jahren bestehendes institutionelles Portfolio investieren. Das Fondsvolumen liegt bereits bei 60 Mio. € und umfasst bereits mehr als zehn Private-Equity-Investitionen. Klarer Vorteil für die Anleger: Eine Aufbauphase („ramp up“) entfällt, wodurch von Tag 1 eine höhere Wertentwicklung erzielt werden kann.“

Die Mindestanlagesumme beträgt 10.000 Euro, und der Fonds erfüllt die Kriterien von Artikel 8 der EU-Offenlegungsverordnung (SFDR), womit auch das Thema nachhaltiges Investieren adressiert wird. In Großbritannien hat Schroders Capital bereits eine führende Marktstellung bei semi-liquiden und Evergreen-Strukturen im Private-Markets-Bereich erreicht – eine Erfahrung, die nun auch dem europäischen Privatkundensegment zugutekommen soll.

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Chinas KI-Aufsteiger fordern Nvidia heraus – Zweifel an langfristiger Dominanz des Marktführers

Von Dr. Oliver Everling | 16.Juli 2025

Der Hype um künstliche Intelligenz (KI) hält weiter an, doch stellt sich zunehmend die Frage, ob der derzeitige Branchenprimus Nvidia seine dominante Stellung langfristig behaupten kann. Saliou Willi Amman, Senior Portfolio Manager der apoBank, äußert hierzu Zweifel und verweist auf die zunehmende Konkurrenz aus China. „Nvidia ist aktuell mehr als doppelt so viel wert wie alle 40 DAX-Unternehmen zusammen, was die gegenwärtige Dominanz westlicher Akteure im KI-Markt unterstreicht“, so Amman. Doch diese Dominanz sei keineswegs in Stein gemeißelt. „Angesichts des rasanten technologischen Tempos bei chinesischen Wettbewerbern wie Moonshot AI und DeepSeek stellt sich die drängende Frage, wie lange diese enorme Bewertung noch gerechtfertigt ist.“

Chinesische Anbieter holen mit großen Schritten auf und setzen dabei auf effiziente und schlank trainierte Modelle, die nicht nur technologisch mithalten können, sondern auch bei den Nutzern breite Akzeptanz finden. „Moonshot AI und DeepSeek holen nicht nur auf, sie etablieren bereits eigene Standards“, sagt Amman. Besonders hervor hebt er das Modell „Kimi K2“ von Moonshot AI: „Das Modell Kimi K2 von Moonshot AI liegt in zentralen Benchmarks auf Augenhöhe mit führenden US-Anbietern.“ Ein solches Modell, das „monatlich Millionen von Nutzern erreicht und gleichzeitig in Leistungstests überzeugt“, sei weit mehr als ein Achtungserfolg – „es ist ein klares Signal für einen strukturellen Wandel in der globalen KI-Industrie.“ Auch DeepSeek trage zur Neuausrichtung bei: „DeepSeek beweist mit seinem R1-Modell, dass China nicht länger nur Konsument, sondern ein aktiver Treiber der KI-Entwicklung ist.“

Die KI-Landschaft sei laut Amman noch jung und verändere sich praktisch täglich. Neue Anbieter könnten sich in rasanter Geschwindigkeit etablieren und damit auch die etablierten Marktführer unter Druck setzen. „Ihre Ansätze treffen den Nerv vieler Nutzer und setzen die aufwendigen, zentralisierten Strategien der US-Riesen zunehmend unter Druck.“ Wer glaube, dass die Zukunft der KI ausschließlich im Westen geschrieben werde, verkenne die Dynamik chinesischer Innovationskraft: „Wer glaubt, die Zukunft der künstlichen Intelligenz werde ausschließlich im Westen geschrieben, ignoriert die Dynamik, mit der sich Unternehmen wie DeepSeek oder Moonshot AI sowohl technologisch als auch wirtschaftlich am Markt positionieren.“

Vor diesem Hintergrund rät Amman zu einem differenzierten Anlageansatz. „Anleger müssen bedenken, dass der Branchenprimus Nvidia seine führende Marktposition und die hohe Bewertung auf Dauer nicht behaupten kann.“ Die apoBank setzt daher auf ein breiteres Engagement im KI-Sektor: „Wir setzen nicht alles auf einzelne Spitzenreiter wie Nvidia. Stattdessen investieren wir gezielt entlang der gesamten KI-Wertschöpfungskette. Dieser Ansatz ermöglicht es uns, unser Anlagevermögen in einem Umfeld zu diversifizieren, in dem viele Technologiewerte bereits sehr ambitioniert bewertet sind.“

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