Einhellige Ablehnung des AWG-Entwurfs

Von Dr. Oliver Everling | 20.Juni 2008

Staatsfonds nehmen eine wichtige volkswirtschaftliche Funktion wahr, da sie deutsche Interessen an offenen Kapitalmärkten und -importe unterstützen. Staatsfonds sind langfristige, großvolumige und renditeorientierte Kapitalgeber. Der Trend zeigt, dass steigende Liquidität zu noch riskanteren Anlagen führt, warnt Prof. Dr. Horst Eidenmüller, LL.M. (Cambridge) von der Ludwig-Maximilians-Universität München. „Braucht Deutschland Schutz vor ausländischen Staatsfonds?“ Zu dieser Fragen äußerten sich auf dem Eurobörsentag 2008 der Börsen-Zeitung in Frankfurt am Main Jörg Asmussen, Ministerialdirektor, Bundesministerium der Finanzen, Markus Burghardt, Leiter des Bereiches Financial Services, PricewaterhouseCoopers AG, sowie Prof. Dr. Rüdiger von Rosen, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Deutschen Aktieninstituts, in einer von Claus Döring, Chefredakteur der Börsen-Zeitung, moderierten Diskussion.

Präventive Verbote, Genehmigungsvorbehalte etc. sind nur angezeigt bei allgemeinen, gravierenden Gefahren für elementare Rechtsgüter bzw. Interessen. Ansonsten ist allenfalls Schutz vor speziellen Gefahren, z.B. durch das Kartellrecht, oder Einzelfallrisiken, z.B. Haftungsrecht, nötig. Allgemein, gravierende Gefahren gibt es nur im Rüstungssektor, berichtet Eidenmüller. Jeder Unternehmenskauf durch Gebietsfremde soll nach den Plänen der Bundesregierung monatelang schwebend unwirksam. Jeder solche Kauf kann aus Gründen der öffentlichen Ordnung untersagt werden. Deutschland rückt damit an die Spitze des Protektionismus, stellt Eidenmüller fest.

Für ein solches Prüf- und Protektionsrecht gibt es keine Legitimation. Der Referentenentwurf zum AWG ist europarechtswidrig (Art. 43/48 56 EGV). Der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit einer Beschränkung verlangt die Normierung konkreter, gravierender Sicherheitsrisiken als transparente Aufgreif- (Prüf-) und Entscheidungskriterien. Das rein wirtschaftliche Ziel der Arbeitsplatzerhaltung sei kein Element der Sicherung der öffentlichen Ordnung, erläutert Eidenmüller. Höhere Transparenz von Staatsfonds in Bezug auf Anlagevolumen, Ziele, Strategie, Risikomanagement, Governance etc. sei durchaus sinnvoll. Dazu könnte ein internationaler Verhaltenskodexes unter dem Dach von OECD, IWF oder WB sei anzustreben.

Prof. von Rosen schließt sich den Darstellungen von Eidenmüller an, während Asmussen beteuert, dass Staatsfonds trotz der geplanten Hindernisse in Deutschland willkommen seien. Von Rosen zeigt auf, dass an den Börsen eine beachtliche Internationalisierung stattgefunden habe, wie auch die Unternehmen immer mehr Beschäftigte und Umsätze im Ausland zu verzeichnen haben. Emittenten werden an der Börse notiert: Hier gebe es nur drei Entscheidungen, eine täglich stattfindende Abstimmung mit den Füßen. Diese beruhen auf „Kaufen“, „Verkaufen“ oder „Halten“.

Staatsfonds seien bis vor kurzem hoch willkommen gewesen. Für den Emittenten sei letztlich nur entscheidend, ob der Investor unternehmerischen Einfluss gewinnen wolle. Hier gebe es heute andere aktive Investoren, die Einfluss auf Unternehmen nehmen. „Diese Diskussion ist sicherlich noch nicht abgeschlossen“, sagt von Rosen. Um diese Diskussion zu führen, müsse man aber auf die Unternehmen zugehen.

In China und in vielen anderen Ländern gebe es eine Anzahl von Restriktionen, die es schwierig machen würden, dort zu investieren. Der Weg zur Reziprozität sei daher schwer zu finden. Auf internationaler Ebene sollten Verhaltensregeln geschaffen werden – ein Beispiel dazu sei auch die Frage des geistigen Eigentums. Jahrzehntelange Diskussionen über eine Übernahmerichtlinie habe gezeigt, dass es bis heute nicht gelungen sei, ein „level playing field“ zu schaffen. Selbst in dem überschaubaren Bereich der Union sei es nur mit größten Mühen möglich gewesen, einige Grundregeln zu verabreden.

Burghardt spricht für seine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, dass grundsätzlich jede zusätzliche Regulierung Begeisterung bei den Wirtschaftsprüfern auslöse. Geändertes Investitionsverhalten, zum Beispiel Investitionen in Private-Equity-Häuser oder ihre Rolle in der Finanzmarktkrise, notwendige Transparenz, supranationale Anforderungen und weitere Argumente kommen in der Diskussion zusammen. Burghardt betont den Aspekt der Transparenz und Information. Dies sollte auf Basis freiwilliger Codes of Conduct realisiert werden.

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Rating der Staatsfonds

Von Dr. Oliver Everling | 20.Juni 2008

„Kann man ein Ranking der Staatsfonds erstellen?“ Mit dieser Frage facht Claus Döring, Chefredakteur der Börsen-Zeitung, nach einem Grußwort von Hans-Joachim Tonnellier, Präsident der IHK Frankfurt am Main, die erste Paneldiskussion auf dem Eurobörsentag 2008 an. Über das Thema „Die neuen Aktionäre: Staatsfonds“ diskutierten mit Döring Dr. Manfred Gentz, Mitglied verschiedener Aufsichtsräte, Dr. Nikolaus Reinhuber, Partner, Baker & McKenzie, Partnerschaftsgesellschaft, und Dr. Lutz Raettig, Vorsitzender des Bankenausschusses der IHK Frankfurt und Vorsitzender des Aufsichtsrates der Morgan Stanley Bank AG.

Aus den Stellungnahmen der Panelisten wurde deutlich, dass sich Staatsfonds offenbar unterschiedlich bei den Unternehmen verhalten, an denen sie sich beteiligen. Die guten Erfahrungen wurden auf dem Eurobörsentag in den Vordergrund gestellt, denn das Verhalten die wichtigsten Staatsfonds in Deutschland aus dem Mittleren Osten zeige, dass oft auf das Management der jeweiligen Unternehmen kein Einfluss jenseits der Rolle des Aktionärs ausgeübt wurde, der schlicht eine Rendite auf sein eingesetztes Kapital erwarte. Gentz tritt der Auffassung entgegen, dass man simpel zwischen „guten“ oder „schlechten“ Staatsfonds unterscheiden könne.

Döring hinterfragt, ob sich die guten Erfahrungen mit Investoren aus Abu Dabi, Kuwait oder Singapore auch mit Russland oder China wiederholen ließen. Raettig meint, dass bei den Staatsfonds kein anderes Verhalten als bei anderen Aktionären zu erwarten sei. Reinhuber kritisiert die mangelnde Transparenz der Staatsfonds. Gentz räumt ein, dass die Rettungsaktion bei der UBS mit russischen oder chinesischen Investoren nicht so reibungslos über die Bühne gegangen wäre. Die Unterschiede wären aber nur auf der emotionalen Ebene in der Schweiz zu suchen.

Döring insistiert auf dem Thema der Akzeptanz der Staatsfonds. Die stärkere Fokussierung auf Infrastrukturinvestitionen wie Post, Telekom oder Bahn seien doch politisch besonders heikle Bereiche. Gentz ergänzt mögliche Zielunternehmen aus der Gesundheitsvorsorge, wo auch besonders schnell Emotionen hochkommen könnten. Hier seien aber weitgehende Schutzgesetze nicht zu übersehen, die die Bevölkerung vor Nachteilen schützen würden.

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300 deutsche Sparkassen sind A (high)

Von Dr. Oliver Everling | 20.Juni 2008

Die internationale Ratingagentur DBRS hat am Freitag, den 20. Juni 2008 neue Ratings an 41 deutsche Sparkassen vergeben und bestehende Ratings für 259 Sparkassen bestätigt. DBRS bewertet langfristige, nicht nachrangige Verbindlichkeiten und Einlagen dieser Institute mit A (high) sowie kurzfristige Einlagen mit R-1 (middle). Der Trend für alle Ratings ist Stabil.

Diese Ratings basieren auf den Floor-Ratings (Mindestratings) von A (high)/R-1 (middle) für alle Mitglieder des Haftungsverbunds der Sparkassen-Finanzgruppe. DBRS hat die Floor-Ratings am 10. April 2008 bestätigt und einen aktualisierten Ratingbericht zur Sparkassen-Finanzgruppe veröffentlicht.

Die Ratings werden unterstützt durch das relativ stabile und solide Rendite/Risiko-Profil der deutschen Sparkassen, die Struktur und Beschaffenheit des Haftungsverbunds sowie das stabile Rendite/Risiko-Profil der gesamten Gruppe. Gleichzeitig sieht DBRS einige Herausforderungen für die Sparkassen-Finanzgruppe, darunter das Risiko struktureller, politischer und ökonomischer Divergenzen zwischen Mitgliedern; den intensiven Wettbewerb im deutschen Retailgeschäft, sowie Risiken aus dem Konsolidierungsprozess der Landesbanken.

Mit kapitalmarktfähigen Ratings für 300 Sparkassen deckt DBRS die meisten Institutionen des öffentlich-rechtlichen Finanzsektors ab. Von den DBRS-Floor-Ratings profitieren 446 deutsche Sparkassen, sieben Landesbanken-Gruppen, die DekaBank und elf Landesbausparkassen sowie weitere Spezialinstitute, die ebenfalls dem Haftungsverbund angehören. Gemeinsam bilden diese Institute Europas größte Finanzgruppe mit einer aggregierten Bilanzsumme von mehr als 3 Billionen Euro. Jedes Mitglied des Haftungsverbunds kann das DBRS-Rating beantragen.

DBRS vergab erstmals ein Rating für die Sparkassen-Finanzgruppe am 18. Januar 2007. Weitere Informationen sowie der Ratingbericht zur Sparkassen-Finanzgruppe sind auf Anfrage bei der Ratingagentur erhältlich und unter www.dbrs.com.

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Wiedeking streitet um Volkswagen

Von Dr. Oliver Everling | 19.Juni 2008

Investoren aus dem Mittleren Osten waren bei der Volkswagen AG willkommen. Dr.-Ing. Wendelin Wiedeking wirft einen Blick zurück in die Geschichte und zitiert dazu Politiker und Vorstandschefs. Wiedeking, Vorsitzender des Vorstandes der Porsche Automobil Holding SE, sprach am Vorabend des Eurobörsentags 2008 der Börsen-Zeitung über „Porsche als Investor“.

„Wir wollen, dass Volkswagen und Porsche zu den Siegern zählen“, sagt Wiedeking. Nur so seien Arbeitsplätze und Beschäftigung in Deutschland zu sichern. Plötzlich sei von „feindlicher Übernahme“ geredet worden. „Ich frage mich, ob ich im falschen Film sitze“, so Wiedeking. Porsche habe sich doch immer eindeutig zum Standort Deutschland bekannt. Auch die soziale Kompetenz habe man ebenso wie eine positive Zukunftsvision unter Beweis gestellt.

Die Medien würden jedoch einen „schwerwiegenden Konflikt“ hervor reden. Halbsätze würden aus dem Zusammenhang gerissen, so dass der Eindruck erweckt würde, hier würde die deutsche Wirtschaft einen Konflikt erlebe, wie sie seit langem einen gleichen suche. „Wir führen gute und konstruktive Gespräche“, hält Wiedeking diesen Darstellungen entgegen. Natürlich gebe es auch unterschiedliche Auffassungen, wie in jedem anderen Unternehmen auch. Daraus könne aber nicht abgeleitet werde, dass die Beziehungen zwischen den Entscheidern zerrüttet seien.

Ganze Standorte würden vor dem Kollaps stehen, wenn sich Volkswagen zurückziehen würde. Daher sei es ein legitimes Interesse der Politik, sich hier einzuschalten. In der Politik gehe es aber immer auch um Wählerstimmen. Der Staat gelte für viele Menschen immer noch als der einzige Garant für sichere Arbeitsplätze. Wenn man Porsche mit Nokia in Verbindung bringen würde, tue dies weh. Werker und Bürger würden so verunsichert. Er wolle keine Firmen beim Namen nennen, die sich nicht vorbildlich verhalten hätten. So falle es in jedem Fall leicht, die Wirtschaft pauschal in die Verantwortung zu nehmen.

Leider bleiben meist die schlechten Beispiele in den Köpfen der Menschen haften. Dies könne auch ein Motiv der Bundesregierung sein, ein neues VW-Gesetz auf den Weg zu bringen. Man habe die Gunst der Wähler entdeckt. Einen anderen Grund, an der Sperrminorität festzuhalten, sehe er nicht. Es habe sich doch kein chinesischer oder russischer Investor bei VW gezeigt, sondern ein erfolgreicher deutscher Automobilkonzern, der unter Beweis gestellt habe, dass er von dem Geschäft etwas verstehe.

Die Neuauflage des VW-Gesetzes werde – so hofft Wiedeking – erneut an der EU-Kommission scheitern. „Die Kommission werde ein Vertragsverletzungsverfahren auf den Weg bringen, dann drohen Deutschland empfindliche Geldbußen“, sagt Wiedeking. Wiedeking streitet dafür, jedes VW-Gesetz ganz abzuschaffen. Dem Antrag vom 24. April 2008, die VW-Satzung an die EU-Rechtsprechung anzupassen, scheiterte an Land Niedersachsen.

„Wir haben gegen traditionelle Verhaltensmuster verstoßen“, skizziert Wiedeking die Situation und stellt Porsche in die Rolle des Davids: Normalerweise übernehme der Größere den Kleineren. Hier sei es umgekehrt, die Meldung über die Absichten der Porsche seien daher eine Überraschung gewesen.

Porsche bekenne sich zur Mitbestimmung. Die Sozialpartnerschaft würde täglich gelebt. „Wir legen Wert auf motivierte Mitarbeiter, die stolz auf ihr Unternehmen sind.“ An den sozialen Absicherungen des VW-Konzerns würde nicht ein Funke gerüttelt. „Wir drehen ein verdammt großes Rad. Was am Ende dabei heraus kommen wird, ist noch offen.“ Motive und Ziele seien nicht verschwiegen worden.

Wiedeking will die Rolle der Hedgefonds besser differenziert wissen. Manche seien auf kurzfristige Zielsetzungen ausgerichtet gewesen. Die Strategien der Investmenthäuser seien nicht verboten und in vielen Fällen sogar sinnvoll. Dies sei aber nicht die Welt von Porsche. Auch für Porsche sei eine hohe Profitabilität ganz entscheidend. Seit über 10 Jahren sei Porsche der profitabelste deutsche Hersteller. „Kluge Egoisten haben auch begriffen, dass am Erfolg des Unternehmens auch Menschen beteiligt sind.“ Kunde, Mitarbeiter, Geschäftspartner, Aktionär – das sei die Reihenfolge, in der Prioritäten bei Porsche gesetzt würden.

„Wir haben für VW ein langfristiges Interesse.“ Volkswagen werde mit Porsche nicht zerschlagen. Eine Abspaltung von Audi z.B. würde überhaupt keinen Sinn machen. Dazu gebe es viel zu viele Gemeinsamkeiten. „Die Basis unseres Erfolgs ist die geringe Fertigungstiefe.“ Hieraus resultieren Vorteile bei den Fixkosten. „Atmende Fabriken, verlängerte Werkbänke“ – das sichere die Flexibilität, die Porsche zu nutzen wisse. „In dieser Aufgabenteilung liegt unsere Stärke.“ Mehr als ein Drittel des Absatzes werde bereits in Verbindung mit dem Volkswagen-Konzern produziert. Die gemeinsame Plattform sei von Porsche zu einem Zeitpunkt entwickelt worden, zu dem man über eine Beteiligung noch nicht nachgedacht habe. Gemeinsamkeiten gebe es schon in der frühen Geschichte der Konzerne.

Individualität zu ermöglichen und Nummer 1 bei der Qualität zu sein, erfordere harte Arbeit. Die vierte Baureihe würden zusätzliche Kundenkreise erschlossen, neue Jobs geschaffen, Beschäftigung bei VW gesichert und belegt, dass sinnvolle Synergien gehoben werden können. Organisatorisch sei man so aufgestellt, dass man die Beteiligung optimal managen könne. Die Gesellschaften würden ihre jeweiligen Identitäten behalten, Porsche bleibe Porsche und Volkswagen bleibe Volkswagen, betont der Porsche-Vorstandschef. „Das Thema Volkswagen stemmen bei uns 10 Leute“, so Wiedeking, er selbst sei dabei eingerechnet.

Wiedeking lobt seinen für die Finanzen zuständigen Vorstandskollegen Härter, der „einen super Job mache“. Mit Kurssicherungsgeschäften habe man gutes Geld verdient. „Es fehle nur noch, dass wir mehr Ergebnis als Umsatz machen“, scherzt Wiedeking. „Wir machen keine Quartalsberichte.“ Ende Juni sei das Geschäftsjahr zu Ende. Die Märkte seien schwieriger geworden. Der Wille zu kaufen, sei da, aber viele würden sich fragen, ob sie sich die Dinge noch leisten könnten. „Unsere Kassen sind gut gefüllt.“ Wenn Ende Juli das Ergebnis da sei, werde man keine Tränen vergießen müssen – und wenn doch, dann nur Freudentränen. „Wir haben einen Plan dahinter“, sagt Wiedeking. Eines Tages würden Diplom- und Doktorarbeiten darüber geschrieben, um dahinter zu kommen und die Geschichte zu dokumentieren. „Wir wollen die Herzen der Menschen gewinnen.“ Zusätzlich mit der Umweltdiskussion werde der Wettbewerb „knallhart“ sein, prophezeit Wiedeking.

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Geringe Aussagekraft der Porsche-Daten

Von Dr. Oliver Everling | 19.Juni 2008

Die Porsche Automobil Holding SE hat am 18. Juni 2008 Eckdaten zur Entwicklung der ersten zehn Monate des Geschäftsjahres 2007/2008 vorgelegt. Aus analytischer Sicht sind die von Porsche veröffentlichten Eckdaten nur von geringer Aussagekraft, stellen die Analysten aus dem Research der DZ BANK fest. „Wir belassen unseren CRESTA-SCORE für Porsche unverändert bei A“.

Im Zeitraum August 2007 bis Mai 2008 steigerte der Sportwagenhersteller den Konzernumsatz um 0,7% auf 6,02 Mrd. Euro. Der Absatz legte um 3,1% auf 82.025 Fahrzeuge zu. Die Cayenne- Baureihe konnte mit einem Absatzzuwachs von 46,5% den lebenszyklusbedingten Rückgang der 911er-Reihe (-14,9%) sowie der Boxter-Baureihe (-20,4%) kompensieren, berichten die Analysten aus dem Spitzeninstitut der Genossenschaftsbanken. In regionaler Hinsicht legte der Fahrzeugabsatz außerhalb der Stammmärkte USA und Deutschland um 6,2% zu. Insbesondere China trug hierzu mit einem Anstieg um 152,2% bei, geben die Analysten der DZ BANK die Fakten weiter.

In den USA und Kanada wurde ein Absatzplus von 2,1% erzielt. In Deutschland lag der Fahrzeugabsatz in der Betrachtungsperiode um 5,3% unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums. Wenig konkret äußerte sich Porsche mit Blick auf die Ertragsentwicklung. Der Sportwagenhersteller teilte lediglich mit, dass das Ergebnis zum 31. Mai 2008 auf dem Vorjahresniveau liegt. Für das Gesamtjahr rechnet Porsche damit, dass „wiederum ein gutes Ergebnis“ erzielt werde. Der Gesamtertrag des Geschäftsjahres wird wesentlich beeinflusst von der Ergebnisentwicklung von Volkswagen sowie von Kurssicherungsgeschäften im Zusammenhang mit der Beteiligungsaufstockung an VW.

Mit Blick auf die erforderlichen Genehmigungen hatte die EU-Kommission mitgeteilt, die Entscheidung bis 23.07.2008 zu treffen. „In dem neu entstehenden Porsche-Konzernverbund gehen wir davon aus, dass Volkswagen, aufgrund der Größe, das bedeutendste Asset für die Bonitätsbewertung darstellt. Auf aktueller Informationsbasis lässt sich allerdings noch keine abschließende Bonitätseinstufung treffen“, warnen die Experten von der DZ BANK.

Mit Blick auf den Refinanzierungsbedarf aus dem Absatzfinanzierungsgeschäft von Volkswagen sehen die Analysten einen starken Anreiz, die Transaktion zur Finanzierung der Aufstockung der Volkswagen-Beteiligung so zu strukturieren, dass ein Rating für Volkswagen im A-Bereich erhalten bleibt. „Das aufgrund der unvollständigen Informationslage nicht auszuschließende Downside-Risiko sehen wir jedoch auf eine Einordnung in den oberen BBB-Bereich beschränkt.“

Nach Vorlage weiterer Informationen beispielsweise über die Höhe der Aufstockung und den Finanzierungsmix wollen die Analysten von der DZ BANK die Auswirkungen auf das Bonitätsprofil erneut überprüfen. „In dem aktuellen Umfeld sehen wir die offenen Fragen in den CDSPrämien von Porsche mittlerweile reichlich eingepreist. Marktteilnehmer befürchten derzeit insbesondere, dass die Nachfrage nach Porsche-Protection im Zusammenhang mit der Finanzierung der Aufstockung der VW-Beteiligung steigen könnte. Wir erwarten daher keine Outperformance des Porsche-CDS, bevor weitere Informationen zur Finanzierung der Beteiligungsaufstockung an VW bekannt sind.“ Die Relative-Value-Einstufung für den Porsche-CDS lautet – so das Fazit aus dem Bericht der DZ BANK – „Marketperformer“.

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ILS-Transaktion der Hannover Rück

Von Dr. Oliver Everling | 19.Juni 2008

Die Hannover Rück hat die erste Transaktion im Rahmen ihrer erweiterten Insurance-Linked Securities (ILS)-Aktivitäten abgeschlossen. Sach-Katastrophenrisiken mehrerer US-amerikanischer Zedenten wurden gebündelt und in mehreren Tranchen in den Kapitalmarkt transferiert. Anders als bei ihren bisherigen Verbriefungen geht es der Hannover Rück dabei nicht um den Schutz ihres eigenen Geschäfts, sondern um den unmittelbaren Transfer von Kundengeschäft in den Kapitalmarkt.

„Mit dieser Art von Pooling- und Transformeraktivität ermöglichen wir Zedenten auch für Risiken, die sich auf eigenständiger Basis nicht hierfür anbieten würden, den Zugang zum Kapitalmarkt“, erklärte der Vorstandsvorsitzende Wilhelm Zeller.

Das transferierte Portefeuille besteht ausschließlich aus US-amerikanischem Katastrophengeschäft. Der größte Anteil entfällt auf Hurrikanrisiken in Florida. Das Maklerhaus Benfield hat die entsprechenden Verträge vermittelt und das Portefeuille modelliert. Für diese Transaktion wurde eine Zweckgesellschaft mit dem Namen Globe Re in Bermuda gegründet; sie ist mit 133 Mio. USD kapitalisiert.

Globe Re finanziert sich mit einer Eigenkapitaltranche von 33 Mio. USD und weiteren 100 Mio. USD in Schuldverschreibungen. An der Eigenkapitaltranche haben sich Benfield und Hannover Rück mit 20,5 Mio. USD bzw. 5 Mio. USD beteiligt. Die Schuldverschreibungen sind – entsprechend den Standard & Poor’s-Ratingkategorien in drei Tranchen „BBB-„, „BB“ und „B“ unterteilt – bei institutionellen Investoren hauptsächlich in Nordamerika platziert worden. Die Investoren erhalten entsprechend der Risikoklasse eine attraktive Verzinsung. Die Laufzeit der Transaktion beträgt ein Jahr.

Die Hannover Rück hat im Jahre 1994 die weltweit erste Risikoverbriefung platziert und seitdem insgesamt 15 innovative Transaktionen sowohl für die Schaden- als auch die Personen-Rückversicherung realisiert. Globe Re ist die erste Transaktion der Anfang des Jahres neu gegründeten Abteilung Insurance-Linked Securities, die u. a. Risiken von Erstversicherern bündelt und in kapitalmarktfähige Wertpapiere transformiert. Dabei arbeitet die Hannover Rück mit internationalen Rückversicherungsmaklern zusammen; die Kooperation mit dem Maklerhaus Benfield ist ein erstes erfolgreiches Beispiel.

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Wachstumsboom digitaler Kommunikation

Von Dr. Oliver Everling | 19.Juni 2008

Andere Infrastrukturen, neue Technologien und drastisch gesunkene Kosten der Kommunikation sind die wichtigsten Gründe dafür, dass Unternehmen aus dem Kommunikationssektor überproportionale Wachstumserwartungen haben dürfen, berichtet Sylvie Séjournet, Fondsmanagerin des PF(LUX)-Digital Communication. Die Managerin von Pictet Funds S.A. aus Genf in der Schweiz stellt die Quellen der Inspiration ihres Anlagestils in Frankfurt am Main vor.

Das Anlageuniversum ist durch Unternehmen mit bewährtem Track Record und hoher Rentabilität im Kommunikationsbereich definiert. Der Fokus liege auf innovativen Unternehmen , die auf digitaler Technologie basierende neue Kommunikationsdienstleistungen anbieten. Hier spricht man von rund 300 Gesellschaften mit einer Marktkapitalisierung von mehr als 4,2 Mrd. US$. Pictet selbst klassifiziert den Fonds in die Klasse höchsten Risikos und empfiehlt einen Anlagehorizont von 7 Jahren.

Die Investmentphilosophie ist auf aktives Management festgelegt, um das Einzeltitelrisiko zu dämpfen. Hauptziel sei es, Aktien mit der besten Performance und einem soliden nachhaltigen Geschäftsmodell auszuwählen. Titel werden bottom-up ausgewählt mit einem Schwerpunkt auf wachstumsstarke und Unternehmen mit einem hohen freien Cash-flow. Grundlagen der Investmententscheidungen sind fundamentale Primäranalyse und vertiefende Sekundäranalyse, verstärkt durch die Expertise eines eigenen Beirats.

Bruno Lippens, Kollege von Séjournet im Management des Fonds, illustriert an plastischen Beispielen, welche dramatischen Konsequenzen der Einsatz der neuen Kommunikationstechnologien nicht nur direkt in den Märkten der Kommunikation, sondern auch indirekt in vielen anderen Märkten haben. Besonders beeindruckend ist beispielsweise, wie die bloße Einführung eines Billigtarifs für mobiles Telefonieren die Attraktivität von Handy in Indien erhöht und den Einsatz verändert hat: So wurde der Preis für Sardinen beispielsweise deshalb stabilisiert, weil sich Fischer über ihre Mobiltelefone in Sekundenschnelle über den Fischfang und die Preisverhältnisse auf den verschiedenen Märkten abstimmen konnten. Die Effizienzsteigerungen liegen im Bereich des Tausendfachen, so dass sich Mobiltelefone in rasender Geschwindigkeit durchsetzten.

Lippens argumentiert, dass heute Technologie und Infrastruktur, die neue Entwicklungsstufen in der Kommunikation ermöglichen, rasch an Akzeptanz gewinnen. Mobiltelefonie wächst weiterhin kräftig, vor allem in Schwellenländern, die oft von einem praktischen nicht vorhandenen Festnetz direkt zur drahtlosen Kommunikation übergehen. Die Ausgaben für Kommunikation deuten auf eine hohe Preiselastizität über mehrere Konjunkturzyklen hin.

Der Internet-Einsatz ist stark mit Wirtschaftswachstum korreliert, was erheblichen Raum für Expansion in rasch wachsenden Regionen lässt wie Indien, China und den Tigerstaaten. Neue Technologien wie Domotik (d. h. die Automatisierung der Wohnhäuser oder Home Automation), soziales Netzwerk und semantisches Web werden vermehrt zu direkt auf Anwenderbedürfnisse ausgerichtete Anwenderfreundlichkeit führen.

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EU’s Commissioner Rules Moody’s, S&P

Von Dr. Oliver Everling | 16.Juni 2008

The European Union will impose stricter oversight of credit ratings companies such as Moody’s Investors Service and Standard & Poor’s in response to record losses by banks on subprime-mortgage bonds, reports Bloomberg’s John Rega. Charlie McCreevy, EU financial services commissioner, will propose „in coming months“ that firms register with authorities, he said in Dublin today, according to a speech text. The rules will include changes to the organizational structure at the companies, also including Fitch Ratings.

The EU measure, which may differ from U.S. proposals, goes beyond an existing voluntary code of conduct after a crash in the value of mortgage-backed bonds – some of them AAA rated – sparked a credit crunch and led to almost $400 billion of losses and writedowns at financial-services companies.

„No supervisor appears to have got as much as a sniff of the rot at the heart of the structured-finance rating process before it all blew up,“ McCreevy said. „Meaningful but targeted regulatory measures are now necessary.“ The initiative won’t address the content of credit ratings, which are opinions about a borrowers‘ likelihood of default, said McCreevy. The provisions will including „registration, external oversight and much better internal governance.“ He didn’t specify the proposed changes to organizational structure, writes Rega.

The largest rating companies are S&P, owned by McGraw-Hill Cos. of New York, and Moody’s, a unit of New York-based Moody’s Corp. Behind them is Fitch, a unit of Fimalac SA in Paris. Regulators estimate that structured finance accounts for half of the rating companies‘ revenue. Fitch spokesman Julian Dennison had no immediate response today.

The European Union will impose „mandatory“ oversight of credit-rating companies led by Moody’s Investors Service and Standard & Poor’s in response to banks‘ record losses on subprime-mortgage bonds. Charlie McCreevy, EU financial services commissioner, said in a speech in Dublin today he will „not wait indefinitely“ for ratings companies to „come forward with meaningful proposals to put their houses in order.“

European and U.S. officials are forcing an end to the agencies‘ self-regulation after a crash in mortgage bonds dried up lending and saddled banks with $400 billion of losses. The U.S. Securities and Exchange Commission proposed barring ratings companies from guiding investment banks on how to gain top rankings for some securities.

„The proposals are still very short on detail, but the intent of the EU is to move toward strong, tight regulation and the wording indicates they mean to go beyond the U.S.,“ Luis Maglanoc, a credit analyst at UniCredit SpA in Munich, said in a telephone interview. „The credit crunch has put regulators under pressure to do something.“ McCreevy said that a different EU policy in the coming months may lead to „some further convergence of approach“ with U.S. rules.

„We share the same goal of improving the transparency of structured products and ratings and believe the global market is best served by a consistent international approach by regulators,“ said Martin Winn, a spokesman for S&P in London. Moody’s spokesman Anthony Mirenda in New York said the company would be „responsive to authorities“, reports John Rega. „Moody’s remains fully committed to taking the necessary steps to restore confidence in our credit opinions and capital markets more broadly,“ he said. Fitch Ratings spokesman Julian Dennison had no immediate response today, according to John Rega.

McCreevy’s proposals reject the advice of national regulators and an advisory panel, which said new EU rules weren’t necessary. McCreevy has said that it’s not enough to add detail to an existing, voluntary code of conduct. „No supervisor appears to have got as much as a sniff of the rot at the heart of the structured-finance rating process before it all blew up,“ McCreevy said according to the publication of Bloomberg.

The initiative won’t address the content of credit ratings, which are opinions about a borrowers‘ likelihood of default, McCreevy said. The provisions will include „registration, external oversight and much better internal governance.“ The largest rating companies are S&P, owned by McGraw-Hill Cos. of New York, and Moody’s, a unit of New York-based Moody’s Corp. Behind them is Fitch, a unit of Fimalac SA in Paris.

Regulators estimate that structured finance accounts for half of the rating companies‘ revenue. Any EU legislation would need approval from national governments and the European Parliament to become law.

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Ratings Monitored Continuously?

Von Dr. Oliver Everling | 14.Juni 2008

One myth the rating agencies propagate is that „ratings are monitored continuously.“ Roger P. Nye, President, Global Investment Advisors, Inc., Carlsbad, California, USA (www.gia-inc.com), points to the realities of the rating industry. According to him, the reality is that following credits is really a case of „catch-up,“ meaning the analyst tries to keep up with developments as best he/she can, given their heavy workload. At Moody’s one sovereign analyst is currently responsible for covering nineteen different sovereigns and supranationals with a report due on each one annually. Even with access to the Internet every day, no analyst can stay on top of everything at a company or a country, warns Nye.

Moreover, the agencies have restrictions on travel to keep costs low and restrictions on „mingling“ with other analysts outside the company. Equity analysts on Wall Street are more likely to stay up to date on the companies they follow compared to the bond analysts. Fixed income analysts are just not plugged into industry trends as well as equity analysts are. Then again, their time horizons differ, says Nye.

Thus, „continuously monitored“ means more like „periodically reviewed“ or „occasionally thought about.“ The offset to this is that the analysts are held responsible for following their credits closely and could lose their job if surprises arise that make the agency look like (s)he was asleep on the job.

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Konfliktkultur: Rating statt Rätselraten

Von Dr. Oliver Everling | 13.Juni 2008

„Jeder kennt das nur zu gut:“, behauptet Hartmut Kriese, Executive Consultant und Spezialist für Konfliktkultur im unternehmerischen Leistungshandeln, „Es könnte eigentlich alles so gut laufen. Die wichtigsten Erfolgskriterien stehen auf Grün und doch passieren immer wieder ganz dumme Dinge. Passieren heißt: Vorbei kommen. Es kommt wiederholt zu unerklärlichen Fehlern im Fertigungsprozess, eine unverständliche Schlamperei in der Versandabteilung hat einen mehrtägigen Lieferverzug zur Folge, eine Maschine streikt genau im falschen Moment, einer der wichtigsten Mitarbeiter fällt wegen Krankheit für lange Zeit aus und der beste Kunde beschwert sich nun schon zum dritten Mal, diesmal auf Geschäftsleitungsebene. Diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen.“

Von Nutzen, so Kriese, sind allerdings nur die Listen, die jedes Unternehmen ganz individuell für sich selbst führt. Eine solche Liste ist nämlich einiges Wert, zumal dann, wenn sie in Verbindung gebracht wird mit anderen gut bekannten Aspekten, etwa die gedrückte Stimmung auf den Fluren („Flurrauschen“), mit Spannungen bei alltäglichen Abstimmungen („Meetings“) und anderen Lähmungserscheinungen, die sich aus mannigfaltiger Ungewissheit ergibt – mit Blick auf das Unternehmen als Ganzes: „wie lange kann das wohl noch gut gehen?“, aber mehr noch als persönliche Angst um den Arbeitsplatz: „und was dann?“.

Hinter alledem, das weiß Kriese aus langjähriger Erfahrung, stehen Konflikte, manchmal größere, die für alle schon offenkundig sind, viel häufiger aber mehrere klitzekleine, die sich zu einem hochkomplexen Konfliktgebilde verknüpfen und Ratlosigkeit erzeugen. Rätselraten. Diese diffusen Konfliktgebilde kosten: Zeit. Nerven. Und meistens sehr viel Geld.

Konflikte sind nun einmal nicht so transparent wie Konten in einer GuV-Rechnung – erstmal nicht, erklärt Kriese den Kern des eigentlichen Problems. Auch entziehen sich Konflikte in aller Regel jeder Kontrolle, und zwar besonders dort sehr geschickt, wo man ihnen mit Macht und Strenge beizukommen versucht anstatt mit Vertrauen, Verständnis und Respekt. Konflikte lassen sich in der Tat nicht ganz so leicht lösen, wie man es gern hätte, vor allem wenn Aspekte beteiligt sind, die tiefer liegen und zum Teil weit hineinreichen in den ungeliebten Emotionalraum. Und je tiefer es geht, um weniger lässt sich ausrichten mit den klassischen Instrumente der Kontrolle.

„All das impliziert nun aber Schwäche und Ohnmacht und das ist im Leistungskontext nicht gestattet.“ Kriese fügt hinzu: „Soviel ist Konsens – Land auf Land und ganz global. Aus diesen Gründen hat man eben keine Konflikte. Nirgends. Ganz einfach.“ Aus „Geht nicht gibt’s nicht“ wird „Gibt’s bei uns nicht, es hat zu gehen!“ Selbst wo es die Spatzen schon von den Dächern pfeifen oder die Geier bereits ihre Kreise über dem Firmengelände ziehen, ist so gut wie alles kein Problem. Man verharmlost, kaschiert oder verleugnet seine Konflikte. Man will sie nicht sehen. Und so sieht man sie dann auch nicht mehr. Man erkennt nichts. Doch damit, so Kriese, sind die Konflikte nicht weg – und es hat sie auch kein anderer.

Mitten im Milieu solchen Ignorierens bahnen sich Konflikte auf rätselhafte Weise ihren Weg, was, wie Kriese an vielen Beispielen aufzeigen kann, durchaus unangenehm und äußerst machtvoll geschehen kann. Und dann sieht man sie wieder. Allerdings mit dem kleinen Unterschied, dass sie sich nun im Gewand von Sachproblemen zeigen – „weiche Wirklichkeiten“ mutiert zu „knallharten Fakten“. Sie klopfen an mit kleinen Anzeichen und Hinweisen, zudem in recht allgemein verständlichen Metaphern und Symbolen, wie Kriese findet. Und wenn sie dann noch immer kein Gehör finden, kann es ganz schnell richtig teuer werden. Es kommt, wenn man genauer hinschaut, gar nicht so selten vor, dass sich das Ganze irgendwann als Totalabschreibung in der Tonne vorfindet. „Dumm gelaufen?“ Nein! Nicht gehört! Und: „Wer nicht hören will, muss fühlen“. Auch das hat jeder, glaubt Kriese, wenigstens schon einmal gehört, wenn nicht sogar schon zu spüren bekommen.

Es ist Mode in diesen Tagen, von Konflikten immer nur gerade soviel zu sehen und entsprechend anzugehen, wie sich als Spitze des viel zitierten Eisbergs zeigt, also das, was sich aufgrund messbarer Manifestationen überhaupt nicht mehr verheimlichen lässt. Dafür zahlt man einen sehr hohen Preis. Kriese: „Zum einen für das rumdoktern an den Symptomen, die kostspielig saniert oder teuer weg operiert werden. Zur Erinnerung: Symptome sind Konflikte, die sich zeitverzögert als Sachprobleme zum Ausdruck bringen.“ Zum anderen für jede Menge an „Trotzkosten“, wie Kriese die Gebühren für ungelöst schwelende Konflikte bezeichnet. Trotzkosten sind Minderleistungen der Mitarbeiter, die mit abnehmendem Betriebsklima exponentiell ansteigen – auf allen Ebenen und in allen Bereichen.

Wo der Umgang mit Konflikten nicht kultiviert wird, nicht aktiv gepflegt wird, kann ein Klima-Rating unterstellt werden, dass sich höchst wahrscheinlich zwischen irritiert“ und „frustriert“ bewegt. Was dies dann in konkreten Zahlen bedeutet, können Dr. Oliver Everling und Hartmut Kriese über ihren Ansatz „Rating der Konfliktkultur“ leicht nachvollziehbar zeigen.

Wo es an Konfliktkultur fehlt, also an der Befähigung und an Bereitschaft, Konflikte möglichst schon im Moment des Entstehens sehen zu können (und auch zu wollen) und sie sofort aktiv, maßvoll und mit dem Ziel einer für alle Beteiligten zufrieden stellenden Lösung auch anzugehen, dort schwelen die Konflikte munter weiter. Vor allem die kleinen, die sich aus so genannten Selbstverständlichkeiten herleiten. Mehr noch, sie verstärken sich gegenseitig und entwickeln sich zum Flächenbrand. Und so geht es fort und fort: erstens den Konflikten ausweichen, zweitens deren (für den Kundigen oft recht schnell ersichtlichen) Verwandlung in Sachprobleme übersehen oder verkennen und drittens mit der Folgenschraube leben: Kostendrama, Ertragsdilemma und Klimadesaster. Ein Teufelskreis, klagt Kriese, nur weil alles Menschliche im Miteinander der Leistungserstellung von Unternehmern und Managern allzu oft als „Psychozeug“ oder als „esoterische Verirrung“ dämonisiert wird. Eine derartig mangelnde Bereitschaft zu mehr Problembewusstsein rächt sich aber. Mehr noch: Probleme, die durch den Mangel an Problembewusstsein entstanden sind, lassen sich nicht mit dem gleichen Bewusstsein lösen, durch das sie zum Problem wurden.

Beim Thema Konfliktkultur geht um die Bereitschaft zu einem gewissen Mehr an Bewusstheit, zu einem erweiterten Problembewusstsein – auch als eine künftig wohl zu erwartende Fertigkeit für verantwortliche Geschäftsführung. Das bedeutet nicht, dass jede Führungskraft die benötigten Skills selbst beherrschen muss. Absolut nicht. Gleichwohl ist – heute mehr denn je – die Bereitschaft der Geschäftsführung gefragt, entsprechende Kompetenz als (idealerweise) externes Ergänzungswissen nicht nur zuzulassen, sondern Beobachtungen und Bedeutungen aus erarbeiteten Materialien als werthaltige Information in alle strategischen Aspekte der Führung einzubeziehen, „einzupreisen“ – mit der Folge einer lohnenden Schadensvorbeugung und rechtzeitige Schadensbegrenzung durch die Wandlung von diffusen Ertragsrisiken in differenzierte Ertragschancen

Themen: Nachrichten | Kommentare deaktiviert für Konfliktkultur: Rating statt Rätselraten

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