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Unternehmen und Staaten auf unterschiedlichen Wegen

Von Dr. Oliver Everling | 27.November 2011

Die großen Probleme in der Eurozone sowie weiterhin sehr nervöse Finanzmärkte konnten der Zahlungsmoral deutscher Unternehmen im 3. Quartal 2011 nichts anhaben. Die meisten Unternehmen machen weiterhin gute Geschäfte, was sich in ihrer guten Liquidität widerspiegelt. „Zu beobachten bleibt, wie die Schuldenkrise Griechenlands, die allgemeine Staatsverschuldung sowie die Nervosität an den Finanzmärkten die Realwirtschaft beeinflussen werden. Einen faktischen Grund dafür gibt es unseren Untersuchungen zufolge derzeit nicht“, analysiert Thomas Dold, Geschäftsführer D&B Deutschland.

Im 3. Quartal 2011 zahlten nach Informationen von D&B 87,52 Prozent der deutschen Unternehmen ihre Rechnungen zum vereinbarten Zeitpunkt. Das ist ein Anstieg um 0,12 Prozentpunkte im Vergleich zum 2. Quartal (87,4 Prozent). Mit 6,9 Tagen liegt der durchschnittliche Zahlungsverzug zudem weiterhin auf einem sehr niedrigen Niveau. Verglichen mit dem vorangegangenen Quartal verbesserte sich der Wert um einen halben Tag (Q. 2: 7,4 Tage). Damit zeichnen die messbaren Zahlen ein besseres Bild der Wirtschaftslage Deutschlands, als es die derzeit getrübte Stimmung vermuten lässt.

Die Zahlungsmoral im Handwerk, Bau- und Transportgewerbe sieht D&B gestärkt. Insbesondere die stark konjunkturabhängigen Branchen unterstützten die gute wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland. Die größten Zuwächse
hinsichtlich Zahlungsmoral im Vergleich zum 3. Quartal 2010 stellte D&B im Baugewerbe, bei Transportunternehmen und im Handwerk fest. Die gute Zahlungsmoral der Transportunternehmen liegt vor allem darin begründet, dass der Export die einheimische Wirtschaft weiterhin stark treibt. Im abgelaufenen Quartal lag die Zahl ordnungsgemäß zahlender Transportunternehmen mit 85,18 Prozent rund sieben Prozent über dem Wert des Vorjahresquartals. Ein hervorragender Wert, wenn man bedenkt, dass die Zahlungsmoral der Branche zu Hochzeiten der Krise noch unter 70 Prozent lag.

Wenig Veränderung konstatiert D&B im Ranking der Bundesländer. Die Zahlungsmoral der Unternehmen nach Bundesländern aufgeteilt offenbart wenig Überraschungen. Das Spitzentrio bilden weiterhin Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen. Der Spitzenreiter Bayern hat es sogar geschafft, die 90-Prozent-Marke zu knacken: 90,18 Prozent aller bayerischen Unternehmen zahlen ihre Rechnungen vereinbarungsgemäß. Mit diesem absoluten Rekordwert liegt Bayern mehr als zwei Prozentpunkte vor Baden-Württemberg und setzt sich als Spitzenreiter deutlich ab. Die Schlusslichter sind wie schon zuvor die Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen. Vor allem Berlin ist im Vergleich zum 2. Quartal 2011 noch einmal um 0,45 Prozentpunkte abgerutscht. Mit nur 82,22 Prozent Pünktlichzahlern hat die Hauptstadt bereits 1,77 Prozent Rückstand auf Hamburg als Vorletzten.

Zentrale Frage für die Zukunftsbeurteilung: Quo vadis, Europa? Auch wenn messbare Zahlen wie die Zahlungsmoral ein durchweg positives Bild der aktuellen wirtschaftlichen Lage in Deutschland zeichnen, können weitere Wirtschaftsindikatoren nicht außer Acht gelassen werden. Die Einschätzung von Unternehmen und Wirtschaftsforschern tendiert für 2012 dazu, nur noch von einem geringen Wachstum auszugehen. Belastbare, die Prognosen stützende Fakten gibt es zurzeit allerdings nicht. Unsicherheit ist aufgrund der sich täglich ändernden Rahmenbedingungen aktuell die einzige Konstante.

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