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Lateinamerika bleibt exportschwach

Von Dr. Oliver Everling | 16.Oktober 2016

Ein Aufschwung bei den Exporten von Fertigprodukten aus Lateinamerika ist kurzfristig nicht zu erwarten. Dies ist Ergebnis einer Untersuchung des Kreditversicherers Coface. Waren die Rohstoffexporte zuletzt getragen von der starken Nachfrage aus China und den guten Preisen, lahmt dagegen die Ausfuhr von Produkten schon über die letzten zwei Jahrzehnte.

Hohe Arbeitskosten, schwache Infrastruktur und unzureichende Handelsabkommen sind nach Ansicht von Coface Ursachen für diese schwache Performance in sechs Ländern, die für ein neues „Panorama“ untersucht wurden: Argentinien, Brasilien, Mexiko, Kolumbien, Chile und Peru. Demnach dürfte auch in den nächsten Jahren der Außenhandel kaum wesentlich zum Wirtschaftswachstum der lateinamerikanischen Länder beitragen.

Eine Reihe von Faktoren trübt den kurz- und mittelfristigen Ausblick. So wurden keine großen Fortschritte in der preislichen Wettbewerbsfähigkeit erreicht. Im Gegenteil: Aufwertungen der Währungen sowie hohe Arbeitskosten belasten die exportierenden Unternehmen zusätzlich. Dringend notwendige Verbesserungen in der Infrastruktur sind vor dem Hintergrund von Korruptionsskandalen und mangelhafter regulatorischer Rahmenbedingungen schwierig. Und der weltweit zunehmende Protektionismus macht neue Handelsabkommen mit wichtigen Zielländern unwahrscheinlich.

Zwar stieg der Anteil der Warenexporte am BIP in allen sechs Ländern, aber nicht wesentlich. Zudem scheint sich der leichte Trend seit 2015 wieder umzukehren. Nur in Mexiko, wo das produzierende Gewerbe eine etwas stärkere Position hat, stieg der BIP-Anteil von 19 Prozent im Jahr 2005 bis 2015 auf 27 Prozent. In den anderen Ländern lag der Beitrag zum BIP 2015 jeweils unter 5 Prozent.

Lateinamerika müsse unbedingt die Infrastrukturprobleme lösen, auch um die Transportkosten zu senken und die Produktivität zu steigern, heißt es in dem neuesten Coface-Panorama. “Vor allem haben es die Länder versäumt, den jüngsten Rohstoffboom für Reformen zu nutzen. So bleiben enorme Herausforderungen bei geringeren Möglichkeiten”, erklärt Patricia Krause, Economist für Lateinamerika bei Coface.

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