Private Markets für alle – warum NAO den Zugang zu alternativen Anlagen neu definiert
Von Dr. Oliver Everling | 3.Dezember 2025
Der Vortrag von Robin Binder auf der Handelsblatt-Konferenz BankenTech 2025 widmete sich einer Frage, die derzeit viele Marktteilnehmer beschäftigt: Sind Private Markets ein kurzfristiger Hype oder bilden sie das Fundament einer neuen Investmentära? Binder, Gründer und CEO des Fintechs NAO, ließ in seinem Impuls keinen Zweifel daran, dass alternative Anlagen für Endverbraucher weit mehr als ein Trend sind – sie markieren einen strukturellen Wandel, der durch Regulierung, Technologie und ein verändertes Anlegerverhalten zugleich ermöglicht und beschleunigt wird.
Binder sprach aus einer doppelten Erfahrung heraus: aus seiner Zeit bei der UniCredit, in der er MidCap-Unternehmen begleitete, und aus seinen Jahren als Gründer des Neo-Family-Office ZEITGEIST GROUP sowie als Managing Director des Venture-Capital-Fonds Zeitgeist X Ventures. Er hat Fintech-Entwicklungen aus nächster Nähe erlebt, an Investments in Bling, Timeless oder UnitPlus mitgewirkt und gleichzeitig die strukturellen Hürden beobachtet, die Privatanleger am Zugang zu privaten Märkten hindern. Aus dieser Erkenntnis entstand NAO – eine Multi-Asset-Plattform, die per App Investitionen ab einem Euro in Private Equity, Venture Capital, Infrastruktur oder Hedgefonds ermöglicht und dafür auf Co-Investments setzt. Das Ziel ist klar: eine Welt institutioneller Anlagemöglichkeiten für alle zugänglich machen, unabhängig vom Vermögen.
Binder erinnerte daran, dass Private Markets in institutionellen Portfolios bereits heute eine dominante Rolle spielen: 44 Prozent ihrer Anlagen sind dort gebunden. Für Privatanleger hingegen waren sie lange nahezu unzugänglich – aufgrund hoher Mindestbeträge, komplexer Strukturen und fehlender technischer Lösungen. Dies hat sich mit dem regulatorischen Rahmen von ELTIF 2.0 grundlegend verändert. Während ELTIF 1.0 noch von hohen Einstiegshürden, komplexen Geeignetheitsprüfungen, strengen Portfolioquoten und begrenzter Flexibilität geprägt war, bringt ELTIF 2.0 deutlich vereinfachte Zugangsvoraussetzungen, eine breitere Palette zulässiger Vermögenswerte, mehr Handlungsspielraum im Portfolioaufbau sowie eine deutlich verbesserte Vertriebsfähigkeit für Retail-Anleger. Die Mindestanforderungen an das investierbare Vermögen und die Beschränkung auf bestimmte Investorengruppen sind entfallen, gleichzeitig lassen die neuen Regeln eine diversifiziertere Struktur, Zwischenliquidität und moderne Fondsmechanismen zu. Für den Markt bedeutet das: Was früher ein Produkt für Wohlhabende war, wird nun massentauglich.
Diese Öffnung verbindet NAO mit einer besonders niedrigen Einstiegsbarriere: dem „Drei-Klick-Einstieg“ in Private Markets. Binder betonte, dass es nicht genügt, lediglich Zugang zu schaffen. Private Markets allein seien nicht die Zukunft; entscheidend sei die richtige Guidance. Anleger benötigen Transparenz, Einordnung, eine klare Navigation durch Anlageklassen, Risiken und Chancen. Genau hier setzt NAO an: Die Plattform verspricht institutionelle Qualität, vollständige Portfoliotransparenz, einen nachweisbaren Track Record des Fondsmanagements, faire und verständliche Kostenstrukturen, technologische Innovation und größtmögliche Flexibilität für Retail-Investoren.
Binder formulierte sein Fazit in einem einfachen Gedanken: Die Demokratisierung der Private Markets funktioniert nur, wenn man deren Qualität, die zuvor wenigen vorbehalten war, mit echter Nutzerorientierung verbindet. Private Markets werden so nicht zu einem Hype, sondern zu einem natürlichen Bestandteil einer modernen Anlegerwelt. Entscheidend sei, dass Menschen nicht nur investieren können, sondern auch verstehen, wie und warum sie investieren. Mit diesem Anspruch positioniert NAO sich als Wegbereiter für eine neue Ära des Retail-Investierens – niedrigschwellig, transparent und qualitativ auf institutionellem Niveau.
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BNPL und Instant Payments im Wandel des modernen Zahlungsverkehrs
Von Dr. Oliver Everling | 3.Dezember 2025
Die Diskussionsrunde „Schnell, flexibel, kundenorientiert: BNPL & Instant Payments im Zahlungsverkehr der Zukunft“ zeigte eindrucksvoll, wie stark sich die Erwartungen der Verbraucher und Händler an moderne Zahlungsmethoden verändern – und wie unterschiedlich die Rollen von „Buy Now, Pay Later“ (BNPL) und Instant Payments im Alltag tatsächlich sind. Unter der Moderation von Handelsblatt-Bankenkorrespondentin Elisabeth Atzler diskutierten Cihan Duezguen (Green Banana), Sabrina Flunkert (Ratepay) und Katja Lehr (J.P. Morgan Payments) über Chancen, Risiken und neue Kundenbedürfnisse.
Gleich zu Beginn machte Sabrina Flunkert deutlich, dass BNPL und Instant Payments nicht miteinander verwechselt werden sollten: BNPL sei ein völlig anderer Use Case, denn hier gehe es für Kunden oft darum, die Ware zuerst zu prüfen – ob Kleidung richtig sitzt oder Produkte den Erwartungen entsprechen. Instant Payments spielen dagegen eher dann eine Rolle, wenn es um finanzielle Sicherheit im Moment des Kaufs geht – etwa die Frage, ob ausreichend Guthaben auf dem Konto ist. Katja Lehr erinnerte dabei an die deutsche Traditionslösung des Dispokredits, der seit Jahrzehnten eine Art Vorläufer flexibler Zahlungsmodelle darstellt.
Cihan Duezguen betonte die starke Nachfrage nach Instant Payments auch im Zusammenhang mit Ratenkäufen. Händler hätten ein ureigenes Interesse daran, Liquidität sofort zu erhalten – insbesondere in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit oder knapper Margen. Instant Payments könnten hier ein zentraler Baustein der Abwicklung werden, selbst wenn der Kunde in Raten zahlt.
Moderatorin Elisabeth Atzler warf anschließend die moralische Frage auf, ob es sinnvoll sei, Mode wie Sneaker auf Raten zu kaufen. Gehe es hier noch um Kundennutzen oder mehr um Konsumanreize? Sabrina Flunkert entgegnete, dass sich solche Formen des Konsums meist von selbst regulierten: Eine schlechte Kundenerfahrung – etwa wenn teure Sneaker auf Raten die finanzielle Lage belasten – liege weder im Interesse des Verbrauchers noch des Händlers. Für Anschaffungen wie eine kaputte Spül- oder Waschmaschine hingegen sei Ratenzahlung oft existenziell und absolut nachvollziehbar, fügt Cihan Duezguen hinzu.
Katja Lehr lenkte den Blick auf das kulturelle Umfeld. Sie erzählte von früheren Zeiten, in denen größere Anschaffungen erst dann getätigt wurden, wenn genug Geld gespart war – etwas, das für viele heute nicht mehr realistisch ist. In verschiedenen Ländern sei der Gedanke des Ratenkaufs tief verankert. Entscheidungen basierten dort weniger auf der Frage, ob man sich den vollen Preis leisten kann, sondern darauf, ob die monatliche Rate tragbar ist. Hier brauche es mehr finanzielle Bildung, um Konsumenten zu befähigen, verantwortungsbewusste Entscheidungen zu treffen.
Am Ende waren sich die Panelisten in einem Punkt einig: Der Kunde entscheidet. Händler gestalten ihr Angebot, Verbraucher wählen – und moderne Payment-Lösungen müssen so flexibel sein, unterschiedliche Lebensrealitäten abzubilden. Ob BNPL oder Instant Payment: Beide Modelle werden im Zahlungsverkehr der Zukunft eine Rolle spielen, aber mit klar voneinander abgegrenzten Funktionen und jeweils spezifischem Nutzen.
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SME Banking neu gedacht: Wie Holvi den Finanzalltag kleiner Unternehmen revolutioniert
Von Dr. Oliver Everling | 3.Dezember 2025
Auf der Handelsblatt Tagung BankenTech 2025 gab Tuomas Toivonen, Co-Founder und CEO von Holvi, im Fireside Chat „SME Banking: What Do Companies Expect from Modern Banking?“ spannende Einblicke in die Bedürfnisse kleiner und mittlerer Unternehmen und zeigte, warum viele etablierte Banken diese Erwartungen bis heute nur unzureichend erfüllen. Toivonen, der seit mehr als 15 Jahren Regierungen und globale Mobilfunkbetreiber zu Zahlungssystemen berät, erkannte bereits früh eine strukturelle Lücke im Markt: Selbstständige, Freelancer und kleine Unternehmen haben komplexe Anforderungen, aber wenig Zeit und Ressourcen, um sich mit umständlichen Finanzprozessen auseinanderzusetzen.
Holvi wurde genau aus diesem Problem heraus geboren. Die Plattform vereint Geschäftskonto, Buchhaltung, Ausgabenmanagement und E-Invoicing in einem einzigen digitalen Ökosystem – eine integrierte Lösung, die Bürokratie reduziert und Unternehmern Freiraum gibt, sich auf ihr Kerngeschäft zu konzentrieren. Toivonen beschreibt Holvi nicht als Bank im klassischen Sinne, sondern als Betriebsbetriebssystem für Selbstständige, das Finanzprozesse end-to-end automatisiert und administrative Aufgaben so weit wie möglich eliminiert. Besonders prägend sei die Organisationsstruktur von Holvi: Das Unternehmen arbeitet im Wesentlichen mit zwei klar abgegrenzten, hochspezialisierten Teams. Das eine ist vollständig auf regulatorische Anforderungen ausgerichtet und gewährleistet, dass Holvi die hohen europäischen Standards in Compliance, Sicherheit und Zahlungsverkehr erfüllt. Das andere konzentriert sich ausschließlich auf den Kunden, auf Nutzererlebnis, Produktfunktionalität und die kontinuierliche Weiterentwicklung der Services entlang der realen Bedürfnisse von Kleinunternehmen. Diese Balance aus regulatorischer Stabilität und radikaler Kundenzentrierung sei der Kern des Erfolgsmodells, so Toivonen.
In der Diskussion wurde deutlich, dass KMUs heute weit mehr erwarten als ein funktionierendes Konto oder eine Kreditlinie. Sie wünschen sich digitale Services, die in ihren täglichen Geschäftsablauf integriert sind, Transparenz bieten, Routineaufgaben automatisieren und den administrativen Aufwand spürbar reduzieren. Genau diese Lücke schließen neue Anbieter wie Holvi, indem sie traditionelle Bankleistungen mit Tools aus Buchhaltung, Steuer, Zahlungsverkehr und Liquiditätsmanagement verschmelzen. Toivonen machte klar, dass modernes SME Banking vor allem ein Produkt- und Technologieproblem ist: Wer die fragmentierte Toollandschaft kleiner Unternehmen zusammenführt, gewinnt ihr Vertrauen und langfristige Bindung.
Der Fireside Chat zeigte, wie stark sich der Markt für Unternehmenskunden wandelt. Klassische Banken bleiben wichtige Partner, doch spezialisierte Digitalanbieter setzen neue Standards – insbesondere bei Bedienkomfort, Integrationsfähigkeit und Prozessautomatisierung. Toivonens Botschaft war unmissverständlich: Die Zukunft des KMU-Bankings gehört jenen, die Komplexität reduzieren und die Bedürfnisse kleiner Unternehmen wirklich verstehen. Holvi sieht sich genau an dieser Schnittstelle und will damit die Art und Weise verändern, wie Selbstständige und KMUs in ganz Europa ihre Finanzen organisieren.
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Wer hat den Draht zum Kunden? Daten, KI und Plattformen als neues Machtzentrum im Banking
Von Dr. Oliver Everling | 3.Dezember 2025
Auf der Handelsblatt Tagung BankenTech 2025 diskutierten Tino Benker-Schwuchow von der Consorsbank, Susanne Krehl von wealthAPI und Tobias Kugler von Google unter der Moderation von Dr. Stefanie Auge-Dickhut eine der zentralen Fragen des digitalen Zeitalters: Wer besitzt eigentlich noch den Draht zum Kunden – und wie lässt er sich in einem zunehmend daten- und plattformgetriebenen Markt behaupten? Die Runde zeigte, wie sehr sich Kundenzugang, Erwartungshaltung und Wettbewerb verändert haben und dass Daten und KI längst zum entscheidenden Faktor für Relevanz geworden sind.
Susanne Krehl veranschaulichte zunächst sehr plastisch, wie Kunden ihr Geld in der Realität bewegen. Eine Depotmigration sei selten ein radikaler Schritt, sondern ein sukzessiver Prozess: liquidierte Positionen werden an den neuen Anbieter überwiesen, neue Instrumente dort aufgebaut, Schritt für Schritt entsteht ein neues Portfolio. Entscheidend sei dabei nicht, woher ein Anbieter die Daten bekommt, wie mühsam deren Anbindung ist oder wie kompliziert die technische Integration läuft. Für den Kunden zähle ausschließlich der konkrete Nutzen: bessere Entscheidungsgrundlagen, personalisierte Empfehlungen und ein möglichst einfacher Zugang zu passenden Anlageprodukten. Deshalb werde künftige Portfoliooptimierung zu 80 Prozent daten- und KI-basiert sein, während nur noch 20 Prozent auf menschlicher Intuition beruhen.
Tino Benker-Schwuchow rückte den Aspekt des Vertrauens in den Mittelpunkt. Für Banken gehe es weniger darum, ständig mit Kunden zu interagieren, sondern zur richtigen Zeit relevant zu sein. Gamifizierte Elemente könnten zwar Engagement erzeugen, doch entscheidend bleibe die sogenannte Trustline – das Vertrauen, dass die Bank zuverlässig, beratend und unaufdringlich präsent ist. Externe Datenquellen würden dabei genauso wichtig wie eigene, denn der Kunde erwarte eine ganzheitliche Sicht unabhängig von der Herkunft der Informationen. Benker-Schwuchow betonte zudem den Wert des persönlichen Kontakts, der trotz Digitalisierung nicht verschwinde: Ein jährliches Beratungsgespräch sei für viele Kunden weiterhin ein geschätzter Moment, um zentrale Finanzentscheidungen abzusichern.
Tobias Kugler brachte die Perspektive eines Hyperscalers ein und relativierte die Erwartung einer rasanten Umwälzung der Kundenbeziehungen. Er glaube nicht an eine Revolution binnen fünf oder zehn Jahren, sondern an eine graduelle Veränderung, getrieben durch bessere Dateninfrastruktur, KI-Tools und skalierbare Plattformen. HyperScaler spielten dabei eine Doppelrolle: Sie seien Technologie-Enabler für Banken und zugleich Orientierungspunkt für Kundenerwartungen, denn Plattformökonomie definiere für viele Menschen, wie digitale Einfachheit aussehen müsse. Dennoch bleibe der direkte Kundenzugang bei Banken, wenn sie Relevanz, Vertrauen und intelligente Nutzung ihrer Daten kombinieren.
Einig waren sich alle Teilnehmer in einem Punkt: Die größte gesellschaftliche Herausforderung im Finanzsektor sei es, möglichst viele Menschen sinnvoll an den Kapitalmarkt heranzuführen. Daten, KI und Plattformstrategien sind dafür Werkzeuge, aber der Kern sei ein nutzerzentriertes Angebot, das Finanzwissen, Transparenz und Zugänglichkeit stärkt. Die Diskussion zeigte, dass der Draht zum Kunden nicht von einer einzelnen Technologie abhängt, sondern von der Fähigkeit der Banken, datenbasierte Intelligenz, partnerschaftliche Modelle und menschliche Nähe zu verbinden.
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Digitale Kundennähe und Contextual Banking
Von Dr. Oliver Everling | 3.Dezember 2025
Auf der Handelsblatt Konferenz BankenTech 2025 erläuterte Dr. Stefanie Auge-Dickhut vom Business Engineering Institute St. Gallen, wie digitale Kundennähe und Contextual Banking in der Praxis funktionieren und welche tiefgreifenden Veränderungen Banken dafür bewältigen müssen. Aus der wissenschaftlichen Perspektive, angereichert mit zahlreichen Praxisbeispielen, zeigte sie, dass Digital Banking längst über funktionale Services hinausgeht: Kunden erwarten heute kontextbezogene Unterstützung, eingebettet in ihre alltäglichen Situationen, nicht mehr nur in klassischen Bankmomenten. Contextual Banking bedeutet, dass Finanzdienstleistungen dann und dort auftauchen, wo sie gebraucht werden, sei es beim Online-Shopping, bei der Wohnungs- oder Mobilitätssuche, bei Finanzentscheidungen im Familienalltag oder in Unternehmensprozessen. Diese Form der integrierten Kundennähe fordert Banken heraus, ihre Daten, Prozesse und Technologieplattformen neu zu denken und stärker zu vernetzen.
Auge-Dickhut betonte jedoch, dass technologische Exzellenz nicht ausreicht. Mit ihrem Satz „Culture eats Strategy for Breakfast and Technology for Lunch“ fasste sie den Kern ihrer Forschung und Erfahrung zusammen: Die besten Strategien und modernsten Technologien verpuffen, wenn die kulturellen Voraussetzungen fehlen. Gemeint ist damit, dass eine Organisation nur dann erfolgreich digital transformieren kann, wenn sie eine offene, lernorientierte, kollaborative und kundenzentrierte Kultur etabliert. Technologie ist ein Werkzeug, doch ohne Mut zum Experiment, ohne Fehlerlernkultur, ohne bereichsübergreifendes Denken und ohne echte Kundenausrichtung bleibt sie wirkungslos. Eine innovationsfreundliche Kultur schafft erst den Raum, in dem Kontextdaten sinnvoll genutzt, KI-Modelle produktiv eingesetzt, Partnerschaften aufgebaut und neue Geschäftsmodelle ausprobiert werden können.
In ihrem Vortrag zeigte sie anhand aktueller Forschungsprojekte, wie Banken Cultural Readiness messbar machen und wie sich organisationale Rahmenbedingungen so gestalten lassen, dass Teams neue digitale Services entwickeln können. Entscheidend sei, Mitarbeitenden Vertrauen und Handlungsspielräume zu geben, starre Strukturen aufzubrechen und einen gemeinsamen Purpose zu schaffen, der Kundennähe in den Mittelpunkt stellt. Culture, Strategy und Technology greifen dabei ineinander, doch die Kultur ist der stärkste Treiber, weil sie bestimmt, wie eine Organisation mit Strategie und Technologie umgeht. Auge-Dickhut machte deutlich, dass Contextual Banking kein rein technisches Thema ist, sondern eine Transformation, die in Köpfen und Verhalten beginnt.
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Quantum, KI und DLT: Die Innovationsagenda der nächsten Finanzmarkt-Generation
Von Dr. Oliver Everling | 2.Dezember 2025
Auf der Handelsblatt Tagung BankenTech 2025 präsentierte das TechQuartier gemeinsam mit drei ausgewählten Startups einen Blick in die technologische Zukunft des Finanzsektors. Die Session „Startup Pitches: Quantum, AI & DLT“ stellte Entwicklungen vor, die in den kommenden Jahren grundlegende Umbrüche auslösen könnten. Moderiert von Philip Viertel, Innovation Manager des Frankfurter TechQuartiers, zeigte die Runde, wie rasant sich die Innovationslandschaft bewegt und wie wichtig die Verzahnung von Finanzindustrie, Forschung und Regulierung geworden ist.
Viertel stellte das FinTech Hub Frankfurt vor: Es gilt als eines der zentralen Innovationsökosysteme für Finanztechnologie in Europa und vereint in einzigartiger Weise die Nähe zu Banken, Aufsicht, Wissenschaft und Startups. Getragen von einer lebendigen Community und institutionellen Ankern wie der Deutschen Bundesbank, der EZB, zahlreichen internationalen Banken, Beratungen und Tech-Unternehmen, bietet der Standort ein Umfeld, in dem neue Finanztechnologien nicht nur entwickelt, sondern auch direkt in die Praxis überführt werden können. Im Mittelpunkt stehen Coworking-Spaces, Acceleratoren, Forschungskooperationen und Netzwerkformate, die Gründern Zugang zu Kapital, Kunden und regulatorischer Expertise verschaffen. Durch Initiativen wie das TechQuartier hat sich Frankfurt zu einem Hub entwickelt, der Innovation skalierbar macht – von der frühen Ideenphase bis zur Integration in das operative Geschäft großer Finanzinstitute. Diese enge Verzahnung von Startup-Dynamik und institutioneller Stärke macht den Standort zu einem Motor für Zukunftstechnologien wie KI, DLT und Quantencomputing.
Niklas Hegemann, Co-Founder von JoS QUANTUM, eröffnete die Reihe mit einem Einblick in den Weg hin zu relevanten Quantencomputing-Anwendungen im Finanzsektor. Hegemann, Physiker und Ökonom mit Wurzeln in der Hochenergieforschung am DESY und langjähriger Erfahrung im Banken-Consulting, skizzierte den aktuellen Stand der Technik: echte Quantenüberlegenheit im Finanzsektor existiert zwar noch nicht, doch die Entwicklungsdynamik sei enorm. Banken müssten sich bereits heute „quantum-ready“ machen – organisatorisch, technologisch und strategisch. Potenziale liegen in der Optimierung komplexer Portfolios, der Risikomodellierung, dem Pricing strukturierter Produkte oder der Simulation extremer Marktereignisse. Hegemann betonte, dass die Frage nicht sei, ob Quantencomputing relevant werde, sondern wie schnell Finanzinstitute Kompetenzen aufbauen, um die Technologie produktiv nutzen zu können.
Mit Darren Douglas, CEO und Gründer von Regsearch AI, rückte anschließend ein Thema in den Mittelpunkt, das angesichts der EU-Regulierung zur KI-Transformation besondere Dringlichkeit hat: Responsible AI. Douglas, seit fast zwei Jahrzehnten im europäischen Risikomanagement und in der Compliance-Beratung tätig und als Ambassador für Responsible AI eng in regulatorische Entwicklungen eingebunden, erläuterte, warum statische Modelle für Risiko- und Compliance-Prozesse nicht mehr ausreichen. Finanzinstitute stehen vor der Herausforderung, KI sicher, transparent und nachvollziehbar einzusetzen. Regsearch AI entwickelt dafür Systeme, die Risiko- und Compliancefunktionen dynamischer, kontinuierlicher und KI-gestützt überwachen – von AML/CFT über DORA und GDPR bis zum EU AI Act. Douglas zeigte, wie eingebettete Assurance und KI-basierte Kontrollmechanismen schon heute menschliche Entscheidungsprozesse skalieren und Risiken minimieren können, ohne Innovation auszubremsen.
Den Abschluss bildete Michael Duttlinger, CEO und Co-Founder von Cashlink, Europas führender token-basierter Kapitalmarkt-Infrastruktur. Duttlinger, seit Jahren ein zentraler Treiber der DLT-Entwicklung in Deutschland und der EU, zeigte, wie Distributed-Ledger-Technologie den Kapitalmarkt 2.0 vorbereitet. Während Kryptowährungen und Stablecoins längst im Bankensektor angekommen sind, steht nun der nächste große Schritt bevor: der vollständig digitale, tokenisierte Kapitalmarkt. Duttlinger erklärte, dass das regulatorische Fundament – insbesondere durch die EU-DLT-Pilotverordnung – gelegt sei und Banken nun beginnen, skalierbare Anwendungsfälle zu entwickeln. DLT ermöglicht effizientere Abwicklungsprozesse, kürzere Time-to-Market-Zyklen, Fractional Ownership und eine radikale Vereinfachung von Emission, Handel und Custody digitaler Wertpapiere. Als mehrfacher FinTech-Germany-Award-Gewinner betonte er, dass Europa jetzt die Chance habe, mit regulierten, interoperablen Infrastrukturen eine globale Vorreiterrolle einzunehmen.
Nach jedem Pitch war das Publikum eingeladen, kritisch nachzufragen und mit den Startups in Diskussion zu gehen. Dieser Dialog zwischen Innovatoren, etablierten Banken und Regulatorik machte die Session zu einem der lebendigsten Programmpunkte noch am Ende des ersten Konferenztages. Die Vielfalt der Themen – von Quantencomputing über verantwortungsvolle KI bis hin zu DLT-basierten Kapitalmärkten – spiegelte eindrucksvoll wider, wie tief der technologische Wandel reicht und wie stark er die Finanzindustrie der kommenden Jahre prägen wird.
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Agentic AI: Kein Add-on, sondern das neue Fundament des Bankings
Von Dr. Oliver Everling | 2.Dezember 2025
Auf der Handelsblatt Tagung BankenTech 2025 skizzierte Eugen Ensinger, Associate Partner bei Wavestone, eine Zukunft des Bankings, in der Agentic AI nicht länger ein Zusatzmodul, sondern das tragende Betriebssystem der gesamten Finanzindustrie ist. Ensinger ordnete diese technologische Entwicklung in eine historische Linie ein: von der Filialbank der Nachkriegszeit über Online-Banking ab 1995, Mobile Banking seit 2010 bis zu den ersten Conversational Interfaces ab 2016. Jeder dieser Schritte hat die Rolle der Bank grundlegend verändert – doch keiner so tiefgreifend wie der Übergang zu Agentic AI.
Agentic AI bedeutet nicht einfach klügere Chatbots, sondern die Fähigkeit autonomer Systeme, Aufgaben selbstständig auszuführen. Während klassische GenAI Antworten generiert, planen Agentic Systeme eigenständig mehrschrittige Abläufe, ziehen Kontext heran, wählen geeignete Werkzeuge aus, orchestrieren Prozesse kontinuierlich und beziehen bei Bedarf Menschen ein, um komplexe Fragestellungen zu lösen. Ensinger beschreibt dies als Zusammenspiel aus Ziel, Regeln, Kontext, Werkzeugen und einer KI, die schlussfolgert, entscheidet und ausführt. Die Entwicklung befinde sich aber erst am Anfang: Heute dominieren noch einfache Tool-Aufrufe und Einzelschritt-Reaktionen. Die nächsten Stufen reichen von mehrschrittiger Planung über die Orchestrierung ganzer Agentennetzwerke bis hin zu autonomer, selbstoptimierender KI, die im Hintergrund kontinuierlich arbeitet.
Für Banken markiert dieser Wandel den Sprung vom reaktiven Transaktionsanbieter zum proaktiven Lebenspartner. Agentic AI ermöglicht Dienstleistungen, die heute kaum vorstellbar scheinen: Ein System, das nicht nur auf Kundenanfragen reagiert, sondern finanzielle Bedürfnisse antizipiert, passende Optionen vorschlägt, Schritte automatisiert vorbereitet und nur dann ein menschliches Gespräch initiiert, wenn es wirklich notwendig ist. Statt Formularen entstehen dialogbasierte Prozesse, die sich wie natürliche Interaktionen anfühlen. Ensinger zeigte in einer Live-Demonstration per Video, wie ein persönlicher Dialog mit einer KI künftig aussehen kann – ein Assistent, der versteht, nachfragt, plant und ausführt.
Diese Vision prägt auch die Erwartungen an das Banking im Jahr 2030. Kommunikation ersetzt Formulare, proaktive Vorschläge ersetzen reaktive Services. Eine Bank wird zum kontinuierlichen Begleiter, der steuerrelevante Daten zusammenträgt, Spar- und Investitionspläne ausarbeitet, Liquiditätsbedarfe vorhersieht oder auf veränderte Lebenssituationen hinweist – ohne dass der Kunde selbst starten muss. All dies setzt Vertrauen voraus, weshalb Ensinger betont, dass Agentic AI nicht nur autonom, sondern auch persönlich und glaubwürdig sein muss.
Der Wandel ist aus seiner Sicht technologisch wie gesellschaftlich unvermeidbar. Die Geschwindigkeit der KI-Entwicklung, steigende Erwartungen an Personalisierung und intuitive Interaktion, Talentknappheit in vielen Fachbereichen sowie regulatorische Anforderungen an Effizienz und Transparenz schaffen einen Transformationsdruck, dem Banken sich nicht entziehen können. Die zentrale Frage sei daher nicht, „ob“ Agentic Banking kommt, sondern „wann“ – und Ensingers Antwort ist eindeutig: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, weil die Grundlagen erstmals reif genug sind, um skalierbare Produktivsysteme zu bauen.
Agentic AI wird damit zu mehr als einer Innovation. Sie wird zur neuen Infrastruktur des Bankings, zu einem Fundament, das Rollen, Wertschöpfungsketten und die Beziehung zwischen Bank und Kunde neu definiert.
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Private Banking für alle: Wie die DKB mit GenAI das Nutzererlebnis neu definiert
Von Dr. Oliver Everling | 2.Dezember 2025
Der Praxisbericht von Torsten Nahm, Head of Data Science der DKB, zeigt auf der Handelsblatt Tagung BankenTech 2025 eindrucksvoll, wie konsequent die Bank GenAI einsetzt, um ein neues digitales Nutzererlebnis zu schaffen – und ihre Vision umzusetzen, die schnellste und kundenzentrierteste Bank Deutschlands zu werden. Statt auf langwierige Entwicklungszyklen zu setzen, entschied sich die DKB bewusst für einen Minimum-Viable-Product-Ansatz. Ende April 2024 ging der erste GenAI-Chatbot in Produktion, mit klarer Priorität: schnell an realen Kundeninteraktionen zu lernen. Anfangs wurde er noch überwiegend per Stichworten genutzt, doch durch das systematische Nachschärfen der Wissensbasis konnte das Team die Qualität der Antworten rasch steigern.
Schon der frühe MVP konnte allgemeine Fragen zu Produkten und Services beantworten. Seit Juli 2024 ist der Chatbot in der Lage, kundenspezifische Daten wie Kontostände oder individuelle Produktinformationen einzubeziehen. Im November 2024 kam eine dialoggesteuerte Gesprächsführung hinzu, die Kundinnen und Kunden aktiv leitet und den Ausstieg in andere Servicekanäle intelligent anbietet. Seit Juni 2025 ermöglichen integrierte Deep Links per Button den direkten Übergang in Antragsstrecken – ein entscheidender Schritt, um aus Beratung echte Interaktion und schließlich Transaktion zu machen. Heute verarbeitet der Chatbot rund 10.000 Sessions pro Tag und hat bereits mehr als 2,5 Millionen Konversationen geführt. Die Lösungsquote von etwa 80 Prozent zeigt, wie stark der Ansatz skaliert. Und selbst dort, wo der Chatbot an den Kundenservice übergibt, sind Zufriedenheit und First Contact Resolution höher als vorher – ein Beleg dafür, dass menschlicher Service durch intelligente Vorqualifizierung profitiert.
Mit dem nächsten technologischen Sprung, Agentic AI, öffnet die DKB die Tür zu einer völlig neuen Form der digitalen Finanzbegleitung. Während klassische GenAI auf konkrete Anweisungen reagiert, arbeitet Agentic AI zielorientiert: Das Modell plant eigenständig, führt Aktionen aus, sammelt Informationen, validiert Ergebnisse und optimiert den Lösungsweg. Damit entsteht die Grundlage für einen persönlichen digitalen Finanzagenten, der Aufgaben übernimmt, die bislang menschlicher Beratung vorbehalten waren. Der im Rahmen eines Hackathons entwickelte Prototyp zeigt bereits, wie weitreichend die Potenziale sind. Kunden könnten den Agenten etwa beauftragen, alle steuerrelevanten Transaktionen des Jahres zusammenzustellen oder eine individuell kuratierte Finanzübersicht zu erstellen.
Nahms Vision ist klar: Mit GenAI und Agentic AI entsteht eine Form von „Private Banking für alle“ – personalisiert, proaktiv, datenreich und in Echtzeit verfügbar. Die DKB demonstriert damit eindrucksvoll, wie sich moderne KI nicht nur effizient operationalisieren lässt, sondern das Banking-Erlebnis grundlegend transformiert.
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Von der KI-Strategie zum Use Case im digitalen Banking
Von Dr. Oliver Everling | 2.Dezember 2025
Die Diskussionsrunde „KI operationalisieren: Von der Strategie zum Use Case im digitalen Banking“ zeigt auf der Handelsblatt Tagung BankenTech 2025, wie weit Banken inzwischen beim Einsatz künstlicher Intelligenz sind – und wie groß gleichzeitig die Herausforderungen bleiben, wenn aus Ideen skalierbare, regulatorisch belastbare Lösungen werden sollen. Dr. Christoph Auerbach von der NORD/LB, Dr. Carsten Esbach von BNP Paribas und Christoph Rabenseifner von der Deutschen Bank bringen drei unterschiedliche Perspektiven zusammen: die operativ-prozessuale Sicht, die internationale Konzernperspektive und die innovationsgetriebene Produkt- und Strategieseite. Gemeinsam zeichnen sie ein Bild davon, wie Banken KI nicht nur ausprobieren, sondern in ihren operativen Alltag integrieren.
Ein zentrales Thema der Runde ist die Frage, wie KI so operationalisiert werden kann, dass sie sicher, skalierbar und effizient bleibt. Die Teilnehmenden betonen, dass Modellrisikomanagement, Datenqualität, Governance und Transparenz der Entscheidungen inzwischen ebenso wichtig sind wie die technische Exzellenz der Modelle selbst. Banken können es sich nicht leisten, KI als Experimentierfeld zu behandeln; sie müssen regulatorische Vorgaben wie DORA, EBA-Leitlinien oder die Anforderungen an Modellvalidierung von Beginn an mitdenken. Erfolgreiche KI-Einführungen entstehen daher aus einem integrierten Ansatz, der Technologie, Risiko, Fachabteilungen und Compliance eng verzahnt.
Besonders spannend wird es bei der Frage nach Use Cases, die heute bereits echten Mehrwert liefern. Beispiele sind automatisierte Dokumentenverarbeitung, KI-gestützte Kundeninteraktion, smarte Workflows im Kreditprozess, Betrugsprävention, Liquiditätsprognosen oder verbesserte Risikomodelle. Entscheidend ist, dass der Sprung vom Prototypen in den Produktivbetrieb gelingt – ein Schritt, der erfahrungsgemäß weniger an der Technologie scheitert als an der Datenpipeline, an fehlender Verantwortlichkeit, an überkomplexen Prozessen oder an einer unklaren Skalierungsstrategie. Erfolgreiche Projekte zeichnen sich dadurch aus, dass sie früh Nutzen stiften, messbare KPIs besitzen und über eine klare End-to-End-Verantwortung verfügen.
KI hilft, Kunden Zugang zu Produkten zu verschaffen, die diesen vorher nicht hatten. Auch die Retailisierung des Firmenkundengeschäfts werde sich beschleunigen. Die Diskutanten machen deutlich, dass Schwierigkeit aber dort entsteht, wo die Erwartungen überhöht sind, die Fachbereiche nicht ausreichend eingebunden wurden oder KI als reine IT-Frage betrachtet wird. Erfolgreiche Projekte setzen hingegen auf ein tiefes Verständnis der Geschäftsprozesse, iterative Entwicklung, gemeinsame Entscheidungswege und die Fähigkeit, frühzeitig regulatorische Anforderungen zu integrieren. Zudem braucht es eine Kultur, die Experimente zulässt, aber gleichzeitig strukturiert evaluiert und priorisiert.
Mit der Einführung von GenAI und Agentic AI verändern sich die Arbeitsweisen in den Fachabteilungen noch einmal grundlegend. Aufgaben im Kundenservice, in der Marktfolge, im Risikomanagement oder in der Analyse werden schneller, datenreicher und stärker automatisiert. Mitarbeitende werden entlastet und können sich auf wertschöpfende Tätigkeiten konzentrieren, doch gleichzeitig entstehen neue Anforderungen an Kompetenzprofile, Governance und Qualitätssicherung. Die Runde macht deutlich, dass KI nicht nur Prozesse transformiert, sondern auch Rollen, Verantwortlichkeiten und das Zusammenwirken zwischen Mensch und Maschine neu definiert.
Insgesamt zeigt die Diskussion, dass KI in Banken längst kein Zukunftsthema mehr ist, sondern ein betriebswirtschaftlicher Hebel, der Effizienz, Qualität und Kundenerlebnis tiefgreifend verändert. Die Herausforderung besteht nicht darin, KI zu entwickeln, sondern darin, sie in der ganzen Organisation wirksam zu machen – sicher, skalierbar und mit echtem Nutzen für Kunden und Mitarbeitende.
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Treasury im Wandel: KI formt Transaction Banking weltweit neu
Von Dr. Oliver Everling | 2.Dezember 2025
Im Fireside Chat „Treasury im Wandel: Wie Künstliche Intelligenz einen beispiellosen Umbruch vorantreibt“ führt Stefanie Auge-Dickhut ein tiefgehendes Gespräch mit Marion Reuter, Head of Transaction Banking UK & Europe bei Standard Chartered. Reuter bringt mehr als 25 Jahre internationale Erfahrung aus Europa, Asien, Afrika und dem Nahen Osten mit und gewährt einen seltenen Einblick in die globalen Unterschiede beim Einsatz von KI im Treasury- und Transaction-Banking-Umfeld.
Reuter beschreibt zunächst den Status quo: KI wird weltweit sehr unterschiedlich genutzt, und diese Unterschiede lassen sich nicht allein durch regulatorische Rahmenbedingungen erklären. In Asien und im Nahen Osten ist die Geschwindigkeit der Implementierung deutlich höher, innovative Anwendungen kommen schneller in die Praxis und technologische Experimente sind stärker akzeptiert. Europa dagegen geht zurückhaltender vor, mit einem ausgeprägten Fokus auf Risiken, Datenschutz und regulatorische Konformität. Diese Vorsicht sei einerseits ein Schutz, andererseits ein Wettbewerbsnachteil, weil sie die Adoptionsgeschwindigkeit reduziert. Reuter betont, dass Europa zu wenig in KI-Talente investiert habe und nun aufholen müsse, um im globalen Wettbewerb bestehen zu können.
Auge-Dickhut hakt nach und fragt nach den kulturellen Faktoren, die diese Unterschiede prägen. Reuter erklärt, dass Mentalität, Offenheit, Innovationsfähigkeit und die Dynamik der lokalen Märkte wesentlich beeinflussen, wie KI wahrgenommen und eingesetzt wird. Asiatische Gesellschaften wachsen technologisch anders auf und haben eine höhere Affinität zu digitalen Lösungen, während Europa stärker von kritischer Reflexion und datenschutzrechtlichen Erwartungen geprägt ist. Auch Führungsstile unterscheiden sich: In ihren asiatischen Teams etwa werden Manager durch US-Universitäten online weitergebildet, um global einheitliche Fähigkeiten aufzubauen.
Besonders wichtig ist für Reuter das Konzept einer human-led AI. KI sei kein Ersatz für Menschen, sondern ein Werkzeug, das menschliche Entscheidungen und Prozesse stärkt. Beispiele aus dem Transaction Banking zeigen dies deutlich: KI-gestützte Mustererkennung in der Transaktionsüberwachung hat „false positives“ drastisch reduziert und damit Effizienz und Präzision erhöht. Auch in der Dokumentenprüfung hat KI entscheidende Fortschritte ermöglicht. Dennoch bleibe der Mensch zentral, insbesondere in der Überprüfung von Modellen, der Sicherstellung ethischer Nutzung und der kontinuierlichen Weiterentwicklung von Prüfmechanismen. Auch in Hongkong und Singapur werde an klaren ethischen Leitlinien für KI gearbeitet – ein Zeichen dafür, dass schnelles Wachstum und verantwortungsvolle Nutzung sich nicht ausschließen müssen.
Reuter weist zudem darauf hin, dass eine globale Bank wie Standard Chartered nicht einseitig von einzelnen Hyperscalern abhängig sein kann. Vielfalt bei Technologiepartnern sei notwendig, um Resilienz, Flexibilität und regionale Anforderungen zu gewährleisten. KI werde in jedem Markt anders eingesetzt, und genau in dieser Vielfalt liege eine Stärke, wenn sie strategisch genutzt wird.
Das Gespräch macht deutlich, wie tiefgreifend KI das Treasury verändert: Operativ durch effizientere Prozesse, strategisch durch neue Entscheidungslogiken und kulturell durch veränderte Erwartungen an Führung, Talente und Geschwindigkeit. Reuter beschreibt einen globalen Umbruch, der längst begonnen hat – und in dem Europa nur dann mithalten kann, wenn es den Mut findet, schneller zu werden, ohne seine Stärken in Ethik, Datenschutz und Risikobewusstsein aufzugeben.
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