Emerging-Markets-Anleihen 2026: Verbesserte Fundamentaldaten und stabile Marktstruktur schaffen Chancen
Von Dr. Oliver Everling | 9.Februar 2026
Die Diskussion um Emerging-Markets-Anleihen war lange von Volatilität und Unsicherheit geprägt, doch im Jahr 2026 zeichnet sich eine strukturelle Neubewertung dieser Anlageklasse ab. Thomas Christiansen, Head of Emerging Markets Fixed Income bei der UBP, beschreibt in seinem Marktkommentar einen grundlegenden Wandel, der nicht nur auf kurzfristigen Marktbewegungen beruht, sondern auf nachhaltig verbesserten Rahmenbedingungen. Während viele entwickelte Volkswirtschaften mit steigenden Finanzierungskosten und einer angespannten Fiskalpolitik kämpfen, zeigen zahlreiche Schwellenländer eine deutlich robustere Ausgangslage. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den Kreditratings wider, denn „2025 lag das Verhältnis von Rating-Upgrades zu Downgrades bei rund 2:1 – ein klares Signal für eine strukturelle Verbesserung innerhalb der Anlageklasse“.
Neben der verbesserten Bonität hat sich auch die Marktstruktur gewandelt. Ein wachsender Anteil lokaler Investoren reduziert die Abhängigkeit von internationalen Kapitalströmen und erhöht die Stabilität über den gesamten Marktzyklus hinweg. Gleichzeitig steht die Unternehmensseite auf einem soliden Fundament. Die durchschnittliche Nettoverschuldung liegt bei nur etwa 1,2x und damit nicht nur unter dem Niveau der entwickelten Märkte, sondern auch deutlich unter den Werten von vor zehn Jahren. Diese konservative Bilanzqualität trägt wesentlich zu stabileren Erträgen und einer attraktiveren Spread-Vergütung bei, was die Anlageklasse für Investoren wieder interessanter macht.
Trotz der in den vergangenen Jahren erfolgten Spread-Einengung bestehen weiterhin Renditechancen. Die Kapitalflüsse haben sich 2025 klar gedreht und sind wieder positiv, während die Anlageklasse global nach wie vor untergewichtet ist. Dieses strukturelle Unterinvestment eröffnet zusätzlichen Spielraum für weitere Zuflüsse, sobald Investoren die verbesserten Fundamentaldaten stärker in ihre Allokationsentscheidungen einbeziehen. Besonders hervorzuheben sind Lokalwährungsanleihen, die von hohen realen Zinsen, einem attraktiven Verhältnis von Carry zu Volatilität sowie der Erwartung eines moderat schwächeren US-Dollars profitieren. Dieser Effekt entlastet Emittenten mit Dollarverbindlichkeiten und erhöht zugleich das Renditepotenzial lokaler Währungen.
Auch Frontier Markets rücken in diesem Umfeld stärker in den Fokus. Zwar bleiben sie ein Nischenmarkt, doch sie bieten für selektive Investoren überdurchschnittliche Chancen bei weiterhin robuster Wachstumsbasis. Insgesamt vereinen Schwellenländeranleihen für 2026 attraktive Ertragschancen, eine weiter verbesserte Kreditqualität und einen hohen Diversifikationseffekt. Geopolitische Risiken und mögliche Gegenbewegungen des US-Dollars bleiben zwar relevante Themen, dominieren das Marktbild derzeit jedoch nicht. Angesichts der robusten Fundamentaldaten, der geringen Allokationen und der zunehmenden Stabilität der Anlageklasse spricht vieles dafür, dass EM-Anleihen im kommenden Jahr überdurchschnittlich abschneiden dürften.
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EM-Unternehmensanleihen: Warum Fundamentaldaten und Makro-Trends die Bewertungen stützen
Von Dr. Oliver Everling | 9.Februar 2026
EM-Unternehmensanleihen stehen weiterhin im Fokus internationaler Investoren, da sie in einem Umfeld moderater Zinsen und stabiler Konjunktur attraktive Ertragschancen bieten. Trotz bereits enger Spreads und hoher Nachfrage bleibt der Ausblick für diese Anlageklasse positiv, weil sowohl die Fundamentaldaten der Emittenten als auch das makroökonomische Umfeld unterstützend wirken. Denise Simon, Portfoliomanagerin und Analystin im Emerging Market Debt-Team bei Lazard Asset Management, betont, dass die Anlageklasse „weiterhin attraktive laufende Erträge“ biete und zudem „noch etwas Potenzial für weitere Spreadeinengungen bei Schwellenländeranleihen relativ zu US-Unternehmensanleihen“ bestehe.
Ein zentraler Grund für diese Einschätzung liegt in der robusten finanziellen Verfassung vieler Emittenten. Simon analysiert: „Mit Ausnahme einiger Emittenten aus der Chemiebranche sind die Unternehmensfundamentaldaten insgesamt weiterhin solide und bewegen sich am oberen Ende der historischen Bandbreite.“ Diese Stabilität schafft Vertrauen bei Investoren und bildet die Grundlage dafür, dass die aktuellen Bewertungen trotz der bereits engen Spreads als gerechtfertigt angesehen werden können. Gleichzeitig trägt das makroökonomische Umfeld zur Unterstützung bei. „Viele Entwicklungs- und Schwellenländer verzeichnen ein angemessenes Wirtschaftswachstum, eine gedämpfte Inflation und profitieren von stärkeren Währungen“, so Simon. In mehreren Ländern verbessern sich zudem die fundamentalen Trends nach Phasen erhöhter Belastung, während politische Veränderungen, etwa in Lateinamerika, zusätzliche wirtschaftsfreundliche Impulse liefern könnten.
Auch von der geldpolitischen Seite kommen unterstützende Signale. Die Erwartung stabiler bis sinkender US-Zinsen wirkt entlastend für Schwellenländeranleihen und erhöht deren Attraktivität im Vergleich zu US-Unternehmensanleihen. Laut Simon profitieren sie „aufgrund technischer Faktoren von höheren Renditen und Spreads in den Schwellenländern im Vergleich zu den USA“, was die Nachfrage nach Anlagen außerhalb der Vereinigten Staaten zusätzlich antreibt. Dennoch weist sie darauf hin, dass der Markt nicht frei von Risiken ist. Eine Belebung der Neuemissionstätigkeit könne zeitweise für Gegenwind sorgen und die Kurse belasten, auch wenn dies aus langfristiger Sicht neue Chancen eröffnet.
In ihrem Fazit unterstreicht Simon, dass das aktuelle Spreadniveau zwar „am unteren Ende der historischen Spannen“ liege und damit das durchschnittliche Kurspotenzial begrenze, die Bewertungen jedoch weiterhin durch Fundamentaldaten und das gesamtwirtschaftliche Umfeld gestützt würden. Gleichzeitig eröffnet die unterschiedliche Bewertung einzelner Emittenten Spielraum für eine gezielte Titelauswahl. „Darüber hinaus erwarten wir, dass sowohl Neuemissionen als auch unterjährige Volatilität potenzielle Alphaquellen bieten“, sagt sie. Zugleich mahnt sie zur Vorsicht, da der geringere Spreadpuffer die Fehlertoleranz reduziere. Eine sorgfältige Kreditauswahl und ein aktives Portfoliorisikomanagement bleiben daher entscheidend, um in diesem Marktumfeld nachhaltig erfolgreich zu sein. U
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Kursverluste bei Software-Aktien: Warum Credit Ratings für Investoren immer wichtiger werden
Von Dr. Oliver Everling | 9.Februar 2026
In den vergangenen Tagen und Wochen haben Software-Aktien erheblich an Wert verloren, was bei vielen Marktteilnehmern Fragen nach den tieferliegenden Ursachen und möglichen Folgen aufwirft. Neben kurzfristigen Bewertungsanpassungen rückt dabei zunehmend ein Faktor in den Fokus, der häufig im Hintergrund wirkt, aber maßgeblich die Kapitalallokation beeinflusst: das Credit Rating. Die jüngste Marktentwicklung zeigt, dass Investoren nicht mehr ausschließlich auf Wachstumsversprechen und technologische Zukunftsvisionen setzen, sondern stärker auf die finanzielle Stabilität und Ertragskraft von Unternehmen achten. Diese Verschiebung der Prioritäten lässt sich auch in den Aussagen von Clemens Berendt, Lead Portfoliomanager, erkennen, der auf die wachsende Spreizung an den Aktienmärkten hinweist. Er erklärt: „Seit einigen Monaten beobachten wir erhebliche Unterschiede bei der Kursentwicklung an den Aktienmärkten. Während große Tech-Unternehmen wie Microsoft und SAP zweistellig verlieren, gewinnt der breite Markt.“
Credit Ratings spiegeln genau diese veränderte Wahrnehmung wider, denn sie bewerten nicht nur die Bonität eines Unternehmens, sondern auch dessen Fähigkeit, in einem schwierigen Umfeld stabile Cashflows zu generieren. Wenn Software- und große Technologiewerte unter Druck geraten, liegt das häufig daran, dass ihre hohen Bewertungen zunehmend kritisch hinterfragt werden und ihr Geschäftsmodell als stärker von konjunkturellen Schwankungen oder technologischen Umbrüchen abhängig gilt. Gleichzeitig profitieren Unternehmen mit solider Bilanzstruktur und verlässlichen Erträgen, was sich auch in der Entwicklung der Aktienindizes zeigt. Berendt betont: „Der gleichgewichtete S&P 500 konnte den nach Marktkapitalisierung gewichteten US-Index zuletzt um mehr als fünf Prozent outperformen.“ Diese Outperformance signalisiert, dass Investoren nicht mehr nur auf einige wenige Schwergewichte setzen, sondern breiter diversifizieren und verstärkt auf fundamentale Qualität achten.
Für Ratingagenturen bedeutet diese Entwicklung, dass Faktoren wie Ertragsstabilität, Verschuldungsgrad und Return on Investment wieder stärker gewichtet werden. Berendt weist darauf hin, dass „bei vielen Unternehmen der ‚Old Economy‘ die Fokussierung auf deren Return on Investment stark zunimmt“, da sie ihre Potenziale durch effiziente KI-Integration überzeugend kommunizieren. Diese stärkere Betonung von Rentabilität und Cashflow wirkt sich positiv auf das Credit Rating aus und senkt die Finanzierungskosten, was wiederum die Wettbewerbsfähigkeit dieser Unternehmen erhöht. Im Gegensatz dazu stehen Geschäftsmodelle, die stark von hohen Erwartungen getragen werden, aber deren tatsächliche Ertragskraft noch nicht gesichert ist. Hier steigt das Risiko von Herabstufungen, sobald das Marktumfeld schwieriger wird.
Die zunehmende Marktbreite und die Abkehr von einer einseitigen Konzentration auf große Tech-Titel lassen sich somit auch als Ausdruck eines wachsenden Vertrauens in Unternehmen mit stabiler Bonität interpretieren. Berendt fasst diesen Trend so zusammen: „Investoren fokussieren sich zunehmend auf fundamentale Ertragsqualität, Bewertungsdisziplin sowie breitere Gewinnimpulse.“ Für den Kapitalmarkt bedeutet dies, dass Credit Ratings nicht nur als formale Kennzahl dienen, sondern als strategischer Kompass für Investitionsentscheidungen. Die aktuelle Rotation in Richtung Emerging Markets und Europa verstärkt diesen Effekt zusätzlich, da hier häufig attraktivere Bewertungen und teils bessere Bonitätsprofile zu finden sind. Insgesamt zeigt sich, dass der Zusammenhang zwischen Kursentwicklung und Credit Rating enger ist denn je, weil in unsicheren Zeiten die Frage nach der finanziellen Belastbarkeit eines Unternehmens zum entscheidenden Kriterium wird.h
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Wie die EZB mit dem starken Euro umgeht – und warum Zinssenkungen trotz Marktspekulationen unwahrscheinlich sind
Von Dr. Oliver Everling | 4.Februar 2026
Im Vorfeld der EZB-Sitzung am Donnerstag schauen die Finanzmärkte sehr genau darauf, wie die Europäische Zentralbank mit der zuletzt deutlich gestiegenen Stärke des Euro umgehen wird. Ein stärkerer Euro beeinflusst die wirtschaftliche Entwicklung, vor allem über die Preise von Importen und damit über die Inflation. Deshalb ist die Frage wichtig, ob die EZB diese Entwicklung zum Anlass nimmt, ihre Geldpolitik zu lockern, also etwa die Zinsen zu senken, oder ob sie gelassen bleibt. Einen Einblick in diese Überlegungen gibt ein aktueller Marktkommentar von Felix Feather, Economist bei Aberdeen Investments, der die Lage vor dem EZB-Meeting einordnet.
Feather weist zunächst darauf hin, dass die Ausgangslage ungewöhnlich ist. „Die EZB geht mit einem auf handelsgewichteter Basis historisch starken Euro in die Sitzung am Donnerstag.“ Das bedeutet, dass der Euro nicht nur gegenüber einer einzelnen Währung, sondern im Durchschnitt gegenüber den wichtigsten Handelspartnern sehr stark bewertet ist. Diese Entwicklung ist auch innerhalb der EZB nicht unbemerkt geblieben. „Einige geldpolitische Entscheidungsträger, darunter Kocher und Villeroy, haben ihre Besorgnis über diese Entwicklung geäußert.“ Solche öffentlichen Äußerungen haben an den Märkten Erwartungen geweckt. „Das hat Spekulationen darüber ausgelöst, dass die EZB mit einer Lockerung der Geldpolitik reagieren könnte.“
Ob es tatsächlich zu einer solchen Reaktion kommt, hängt laut Feather vor allem davon ab, welche Folgen der starke Euro für die Inflation hat. „Ob dies tatsächlich geschieht, hängt davon ab, wie sich die Euro-Stärke auf die Inflation auswirkt.“ Grundsätzlich gilt dabei eine einfache Faustregel, die Investoren und Notenbanker häufig heranziehen: „Als Faustregel gilt: Eine Aufwertung des Euro um 1 % ist mit einem Rückgang der Gesamtinflationsrate um vier Basispunkte verbunden.“ Ein stärkerer Euro verbilligt Importe, was tendenziell den Preisdruck senkt und damit die Inflation dämpft.
Allerdings ist die Situation aus Sicht der EZB komplexer. Feather erklärt, dass man argumentieren könnte, der jüngste Anstieg des Euro habe besondere Ursachen. „Allerdings könnten die Entscheidungsträger argumentieren, dass der jüngste Anstieg des Euro zum Großteil vom verbesserten makroökonomischen Ausblick für Europa getrieben wurde, und dass der disinflationäre Effekt daher geringer ausfallen könnte.“ Wenn der Euro stärker wird, weil sich die wirtschaftlichen Perspektiven in Europa verbessern, dann ist das aus Sicht der Notenbank weniger problematisch, als wenn die Aufwertung allein durch Kapitalzuflüsse oder Zinserwartungen entsteht.
Zudem relativiert Feather die tatsächliche Größenordnung der bisherigen Euro-Aufwertung. „Bis Mittwochmorgen ist der Euro um 0,17 % gegenüber einem handelsgewichteten Währungskorb gestiegen, verglichen mit den im Dezember von der EZB aktualisierten Prognosen.“ Dieser Anstieg ist sehr gering und hat entsprechend wenig Einfluss auf die Inflation. „Das würde auf einen nahezu vernachlässigbaren disinflationären Impuls hindeuten.“ Mit anderen Worten: Der Effekt auf die Preisentwicklung dürfte so klein sein, dass er geldpolitisch kaum ins Gewicht fällt.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Haltung der EZB-Präsidentin. Feather erinnert daran, dass Christine Lagarde in der Vergangenheit eine gewisse Gelassenheit gegenüber einem stärkeren Euro gezeigt hat. „Unabhängig davon hat Lagarde in der Vergangenheit Bereitschaft gezeigt, einen stärkeren Euro zu tolerieren.“ Vor diesem Hintergrund erwartet Aberdeen Investments keine überraschende Kehrtwende der EZB. „Wir erwarten, dass sie diese Sichtweise bekräftigen und sich gegen die jüngsten Bewegungen an den Swap-Märkten stellt, die eine mögliche Zinssenkung der EZB als Reaktion auf die Euro-Stärke einpreisen.“ Die Märkte haben also aus Sicht von Feather zu früh auf Zinssenkungen gesetzt.
Am Ende kommt er zu einer klaren Einschätzung für das Gesamtjahr. „Wir gehen davon aus, dass die EZB den Leitzins im gesamten Jahr unverändert lässt.“ Für Anleger und Beobachter bedeutet das: Trotz des starken Euro dürfte die EZB ruhig bleiben und vorerst keine geldpolitischen Maßnahmen ergreifen, solange sich die Auswirkungen auf die Inflation als gering erweisen.
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Crypto-Millionäre auf dem Papier: Wie eine Kurskorrektur 11.849 Bitcoin-Wallets unter die Millionengrenze drückte
Von Dr. Oliver Everling | 3.Februar 2026
Eine aktuelle Meldung von TechGaged.com sorgt in der Krypto-Community für Aufmerksamkeit, weil sie auf den ersten Blick einen dramatischen Rückgang sogenannter Bitcoin-Millionäre beschreibt. Laut der Analyse seien innerhalb weniger Wochen 11.849 Adressen unter die Schwelle von umgerechnet einer Million US-Dollar gefallen. Grundlage dafür seien öffentlich zugängliche On-Chain-Daten, aus denen hervorgeht, dass die Zahl der entsprechenden Wallets von 151.175 am 9. Januar 2026 auf 139.326 am 3. Februar 2026 gesunken sei. Die Autoren betonen allerdings selbst, dass dieser Rückgang nicht zwangsläufig auf massenhafte Verkäufe hindeute, sondern vor allem eine Folge der Preisbewegung sei.
Bitcoin hatte sich in diesem Zeitraum von Kursen nahe 90.000 US-Dollar in den mittleren 70.000-Dollar-Bereich zurückgezogen. Dadurch rutschten viele Adressen, die zuvor knapp über der Millionengrenze lagen, rechnerisch darunter. In der Studie heißt es sinngemäß, dass „die Drop in millionaire addresses appears more reflective of price compression than widespread capitulation“, also eher eine Bewertungskorrektur als ein struktureller Exodus vorliege. Auch die mittleren Wallet-Segmente zwischen 1 und 100 BTC hätten vergleichsweise geringe Veränderungen gezeigt, was laut TechGaged für eine gewisse Stabilität der Besitzverhältnisse spreche.
Gleichzeitig weisen die Forscher darauf hin, dass solche Kennzahlen stark von der Marktdynamik abhängen und daher mit Vorsicht zu lesen sind. „As Bitcoin moves through liquidity cycles, USD-denominated wealth brackets can change rapidly even when the underlying distribution of coins remains relatively stable“, erklärt Rokas Baltrusaitis, Senior Research Analyst bei TechGaged.com. Sichtbare Schwankungen in der Zahl der Millionärs-Wallets könnten also vor allem die Stimmung widerspiegeln, ohne zwangsläufig reale Umschichtungen im Netzwerk zu bedeuten.
Ein weiterer Unsicherheitsfaktor liegt in der Methodik selbst. Die Daten stammen aus der Bitcoin Rich List von BitInfoCharts, verglichen wurde ein Archivstand vom 9. Januar mit den aktuellen Werten vom 3. Februar. „Millionaire wallets“ sind dabei schlicht als Adressen mit einem rechnerischen Gegenwert von mehr als einer Million Dollar definiert. Dass ein einzelner Akteur mehrere Wallets kontrollieren kann oder dass sich die Klassifizierung allein durch Kursschwankungen ändert, räumen die Autoren ausdrücklich ein. Vor diesem Hintergrund lässt sich der Schlagzeilenwert der „verlorenen“ 11.849 Bitcoin-Millionäre zwar leicht vermitteln, doch bleibt offen, wie viel Substanz hinter der Zahl steckt und wie genau sie die tatsächliche Vermögensverteilung im Netzwerk widerspiegelt.
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Marktausblick 2026: Warum Stabilität und Credit Ratings für Anleger entscheidend sind
Von Dr. Oliver Everling | 29.Januar 2026
Die Weltwirtschaft hat sich 2025 widerstandsfähiger gezeigt, als viele Marktteilnehmer erwartet hatten. Trotz außergewöhnlich hoher politischer und geopolitischer Risiken blieben ein starker Inflationsanstieg und eine Rezession aus. Desiree Sauer, Investment-Strategin bei Lazard Asset Management, bringt es auf den Punkt: „Die globale Konjunktur hat sich robuster gezeigt als vielfach erwartet.“ Auch für 2026 sieht sie eine grundsätzlich stabile Ausgangslage, warnt jedoch vor zunehmenden Unsicherheiten, die das Marktumfeld anspruchsvoller machen.
Ein wesentlicher Stabilitätsfaktor ist die Geldpolitik. Viele Zentralbanken haben ihre Leitzinsen gesenkt, was mit zeitlicher Verzögerung wachstumsunterstützend wirken dürfte. „Die geldpolitischen Impulse entfalten ihre Wirkung nicht sofort, sondern schrittweise“, betont Sauer. Hinzu kommt eine expansive Fiskalpolitik: In Deutschland greifen die Effekte eines großen Konjunkturprogramms, während in den USA ab 2026 umfangreiche Steuererstattungen an private Haushalte fließen sollen. Auch höhere Verteidigungsausgaben in Europa stützen die Nachfrage.
China sendet ebenfalls Signale der Stabilisierung. Nach einer längeren Schwächephase mehren sich Hinweise auf einen konjunkturellen Wendepunkt, getragen von Fortschritten in der Künstlichen Intelligenz und einem vergleichsweise stabilen Außenhandel. Gleichzeitig bleiben strukturelle Herausforderungen bestehen. Sauer warnt: „Zentrale strukturelle Herausforderungen bleiben jedoch ungelöst, darunter das schwächere Wachstum, die anhaltenden Belastungen im Immobiliensektor sowie zunehmend protektionistische Maßnahmen gegenüber chinesischen Technologien.“
In den USA rücken handelspolitische und migrationspolitische Fragen in den Fokus. Die rechtlich umstrittenen Zölle könnten Inflation und Wachstum beeinflussen, während eine restriktivere Einwanderungspolitik den Arbeitsmarkt belastet und Kosten erhöht. Auch Europa steht zwischen relativer Stabilität und strukturellem Gegenwind. Ein starker Euro, steigender Wettbewerbsdruck aus China und politische Unsicherheiten in einzelnen Ländern belasten die Perspektiven zusätzlich.
Für die Kapitalmärkte bedeutet dieses Umfeld erhöhte Volatilität. Aktien bleiben grundsätzlich attraktiv, auch wenn das kurzfristige Aufwärtspotenzial begrenzt ist. Rückschläge gehören zum Marktbild, ebenso wie die Notwendigkeit, genauer hinzuschauen. Gerade im Anleihemarkt zeigt sich, wie wichtig Differenzierung geworden ist. Enge Credit-Spreads erhöhen die Sensitivität gegenüber konjunkturellen Abschwüngen, weshalb eine sorgfältige Auswahl entscheidend ist. In einem Umfeld, das von politischen Risiken, hohen Staatsausgaben und Inflationsgefahren geprägt ist, wird deutlich, dass es sich lohnt, auf Credit Ratings zu achten, um die tatsächliche Bonität von Emittenten besser einschätzen zu können und unerwartete Verluste zu vermeiden.
Schwellenländer und ausgewählte Unternehmensanleihen bieten Chancen, profitieren von strukturellem Wandel und attraktiven Bewertungen, bleiben aber anfällig für geopolitische Spannungen. Sauer fasst die Gesamtlage so zusammen: „Insgesamt gilt: Wie sich die Kapitalmärkte 2026 entwickeln, hängt maßgeblich davon ab, ob die wichtigsten Risikofaktoren (geopolitisch und ökonomisch) unter Kontrolle bleiben.“ Für Anleger bedeutet das, Chancen zu nutzen, ohne die Risiken aus dem Blick zu verlieren, und in einem komplexen Umfeld bewusst auf Qualität und Bonität zu setzen.
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Implikationen geopolitischer und fiskalischer Risiken für das Credit Rating
Von Dr. Oliver Everling | 27.Januar 2026
Die aktuellen Entwicklungen an den internationalen Finanzmärkten haben auch für das Credit Rating von Staaten und Unternehmen bedeutsame Implikationen. Trotz der geopolitischen Spannungen, die durch die US-Intervention in Venezuela, die Proteste im Iran und den kurzlebigen Streit um Grönland ausgelöst wurden, zeigen die Märkte bisher bemerkenswerte Stabilität. Wie Dr. Eduard Baitinger im FERI Markets Update betont, rechtfertigen die Fundamentaldaten diese Stabilität: „Die Unternehmensgewinne bleiben auf Wachstumskurs, während Rezessionsrisiken derzeit kaum zu sehen sind.“
Für Ratingagenturen bedeutet dies, dass die kurzfristige Bonität von Unternehmen in den USA weiterhin solide eingeschätzt werden kann, auch wenn politische Turbulenzen den US-Dollar unter Druck setzen. Baitinger weist darauf hin, dass die US-Währung „empfindlich gegenüber einem weiter zunehmenden Vertrauensentzug internationaler Investoren“ ist, was das Risiko von Währungsstress für international investierende Unternehmen erhöht und somit indirekt auch Ratings beeinflussen kann.
In Japan werfen steigende Zinsen Fragen zur Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen auf. Mit einer Staatsverschuldung von deutlich über 200 Prozent der Wirtschaftsleistung besteht langfristig ein erhöhtes fiskalisches Risiko, auch wenn eine akute Krise derzeit nicht absehbar ist. Baitinger stellt klar: „Eine akute Fiskalkrise ist damit zwar nicht absehbar, die strukturelle Verwundbarkeit der öffentlichen Finanzen nimmt jedoch zu.“ Für Ratingagenturen bedeutet dies, dass die langfristige Bonität Japans möglicherweise unter Druck geraten könnte, insbesondere wenn sich die Zinskosten weiter erhöhen und die Notenbankinterventionen intensiver werden müssen.
Die Widerstandsfähigkeit der Märkte trotz geopolitischer und fiskalischer Unsicherheiten zeigt, dass Ratingbewertungen nicht ausschließlich auf kurzfristigen politischen Ereignissen basieren sollten. Vielmehr sollte der Fokus auf nachhaltigen Fundamentaldaten liegen. Die hohe Managementqualität und Profitabilität vieler US-Unternehmen sowie die günstige Zinsstruktur in Japan stützen weiterhin positive Bewertungen. Gleichzeitig muss die Verwundbarkeit gegenüber Währungsschwankungen und steigenden Zinskosten in die Risikobewertungen einfließen, um ein realistisches Bild der Bonität zu gewährleisten. Insgesamt zeigt sich, dass trotz politischer Unwägbarkeiten und geopolitischer Risiken die aktuelle Marktstabilität den Ratingprozess nicht fundamental gefährdet, wohl aber eine differenzierte Betrachtung erfordert, die sowohl kurzfristige Volatilität als auch langfristige strukturelle Risiken berücksichtigt.
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Bitcoin als diversifizierende Anlage: Chancen, Risiken und Mungers skeptische Haltung
Von Dr. Oliver Everling | 27.Januar 2026
Einst belächelt, gehören Kryptowährungen heute zum Instrumentarium der Vermögensanlage. Laut Nicolas Cohen-Addad, Head Investment Solutions APAC & Head Portfolio Management bei LGT Private Banking, „kann eine kleine Beimischung die Diversifikation verbessern – ist jedoch nicht für jedes Risikoprofil geeignet.“ In einem aktuellen Marktkommentar beschreibt er, wie digitale Vermögenswerte „eine diversifizierende Komponente in langfristig ausgerichteten und komplexen Portfolios darstellen können.“ Digitale Vermögenswerte gelten zunehmend als Bestandteil der Vermögensallokation, auch wenn sie keine laufenden Erträge generieren. Bitcoin und andere Kryptowährungen sind im Vergleich zu traditionellen Anlageklassen noch relativ jung, aber laut Cohen-Addad „stellt [Bitcoin] zunehmend ein legitimes Mittel zur Wertaufbewahrung dar, das in der langfristigen Vermögensallokation berücksichtigt werden sollte und zu resilienteren Portfolios beitragen kann.“ Dabei sei jedoch zu beachten, dass diese Anlagen nicht für jede Anlegerin oder jeden Anleger geeignet sind und ihre Berücksichtigung stets von der Risikotoleranz innerhalb eines diversifizierten Portfolios abhängt. Während traditionelle Vermögenswerte wie Aktien oder Anleihen laufende Erträge in Form von Dividenden oder Zinszahlungen liefern, „werfen Bitcoin, physische Währungen und Gold keine laufenden Erträge ab.“ Der theoretische „Fair Value“ von Bitcoin lässt sich daher schwer bestimmen, doch auch wenn solche Berechnungen oft umstritten seien, „dienen sie als Orientierung zur Bestimmung des Vermögenswerts – und damit als Basis für die Etablierung eines Mittels zur Wertaufbewahrung.“
Bitcoin hat sich in den letzten Jahren stärker im Mainstream etabliert, unterstützt durch neue gesetzliche Regelwerke in wichtigen Finanzmärkten wie den USA, den Markteintritt institutioneller Investoren und die Einführung börsengehandelter Fonds auf Bitcoin. Cohen-Addad betont, dass Anlegerinnen und Anleger sich der „starken historischen Volatilität von Bitcoin bewusst sein“ sollten, auch wenn sich diese Schwankungen in jüngerer Zeit verringert haben. Studien zeigen, dass bereits eine geringe Beimischung von Bitcoin „die Rendite eines diversifizierten Portfolios erhöhen kann.“ Digitale Vermögenswerte wie Bitcoin werden zwar kaum das Rückgrat von Portfolios bilden, können aber für langfristig orientierte Investoren mit entsprechender Risikoneigung interessante Chancen eröffnen.
Trotz dieser Perspektiven würde der verstorbene Charles Munger von Berkshire Hathaway wahrscheinlich weiterhin keine Anlageempfehlung für Bitcoin geben. Munger war bekannt für seine vorsichtige Haltung gegenüber spekulativen digitalen Assets und betonte wiederholt, dass er Kryptowährungen skeptisch gegenüberstand. Damit bleibt selbst bei der wachsenden Anerkennung von Bitcoin durch etablierte Finanzakteure seine Haltung ein mahnendes Beispiel für die Vorsicht, die Anleger bei dieser Anlageklasse walten lassen sollten.
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Implikationen der US-Geldpolitik und Datenqualität für Credit Ratings
Von Dr. Oliver Everling | 27.Januar 2026
Die geldpolitischen und makroökonomischen Entwicklungen, die von Allspring Global Investments beschrieben werden, haben erhebliche Implikationen für das Credit Rating von Staaten und Unternehmen. Die Einschätzung, dass die US-Notenbank den Leitzins vorerst nicht verändern wird, deutet zunächst auf ein stabiles Umfeld hin. Rushabh Amin betont, das aktuelle Zinsniveau sei „sehr neutral“, da es die Inflation stütze, „ohne zusätzlichen Inflationsdruck zu erzeugen“. Für Ratingagenturen bedeutet dies kurzfristig eine gewisse Planbarkeit der Refinanzierungsbedingungen und damit eine stabilisierende Wirkung auf die Schuldentragfähigkeit vieler Emittenten.
Gleichzeitig weist Amin auf strukturelle Risiken hin, die für die mittelfristige Bonitätsbewertung relevant sind. Der „mit KI verbundene Investitionsboom“ sowie „die dadurch stark gestiegenen Preise für Rohstoffe und Industriemetalle“ könnten seiner Einschätzung nach „2026 zu einer hartnäckigeren Inflation führen als bislang erwartet“. Diese Erwartung spiegelt sich bereits an den Kapitalmärkten wider, denn „der für Dezember 2026 erwartete Zinssatz ist in den vergangenen Wochen von 3 Prozent auf 3,2 Prozent gestiegen“. Für Credit Ratings bedeutet dies potenziell steigende Finanzierungskosten und höheren Druck auf Kennzahlen wie Zinsdeckungsgrad und Schuldendienstfähigkeit.
Zusätzliche Unsicherheiten ergeben sich aus politischen und institutionellen Faktoren. Amin verweist darauf, dass „im Fokus der Aufmerksamkeit zunehmend die Ernennung des nächsten Fed-Vorsitzenden“ steht und die Märkte eher „mit taubenhaften Tendenzen rechnen“. Auch Entscheidungen des Obersten Gerichtshofs zu Zöllen beeinflussen das makroökonomische Umfeld. Solche Aspekte spielen bei Ratingagenturen eine wichtige Rolle, da sie das institutionelle Rahmenwerk und die wirtschaftspolitische Verlässlichkeit betreffen.
Von besonderer Bedeutung für ein evidenzbasiertes Rating ist jedoch die Qualität der verfügbaren Daten. Amin macht deutlich, dass „die jüngsten Wirtschaftsdaten … durch den langen Regierungsstillstand deutlich verzerrt“ wurden. So sei das Bureau of Labor Statistics gezwungen gewesen, „bei wichtigen Immobilienkennzahlen von unveränderten Werten auszugehen“. Für Ratingagenturen ist eine verlässliche Datenbasis essenziell, da sie die Grundlage für fundierte Analysen und nachvollziehbare Ratingentscheidungen bildet. Verzerrte oder lückenhafte Daten erhöhen die Unsicherheit und können zu vorsichtigeren oder weniger präzisen Bewertungen führen.
Vor diesem Hintergrund gewinnen robuste Indikatoren weiter an Bedeutung. Amin unterstreicht, dass „der Arbeitsmarkt für uns das wichtigste Kriterium zur Beurteilung der Zinsentwicklung in den kommenden Quartalen“ bleibt. Ob sich das erwartete „starke BIP-Wachstum von rund drei Prozent im ersten Quartal“ bestätigt und wie sich das über dem Trend liegende Wachstum anschließend normalisiert, wird entscheidend dafür sein, wie Ratingagenturen die langfristige Kreditwürdigkeit einschätzen. Nur auf Basis konsistenter, transparenter und verlässlicher Daten lassen sich die beschriebenen Inflations-, Zins- und Wachstumsrisiken sachgerecht bewerten und in ein belastbares Credit Rating übersetzen.
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Zwischen Bullenmarkt und Bonitätsrisiken
Von Dr. Oliver Everling | 27.Januar 2026
Die Kapitalmärkte haben ein außergewöhnliches Jahr hinter sich, doch der Optimismus wird zunehmend von Vorsicht begleitet. Trotz geopolitischer Spannungen und politischer Unsicherheiten zeigten sich die globalen Aktienmärkte robust. „Trotz geopolitischer Spannungen, erratischer Zollpolitik und dem konfrontativen Regierungsstil von Donald Trump präsentierten sich die globalen Aktienmärkte erstaunlich robust“, schreibt Laurent Denize, Co-CIO von ODDO BHF und Global CIO von ODDO BHF Asset Management. Vor allem Schwellenländerbörsen und Unternehmensanleihen profitierten, während der steigende Goldpreis und ein schwächerer US-Dollar als Warnsignale interpretiert werden können. Sie deuten darauf hin, dass Investoren politische Risiken stärker einpreisen und „Anlagealternativen jenseits der USA gefragt“ bleiben.
Für die USA zeichnet Denize ein ambivalentes Bild. Einerseits kühlt sich der Arbeitsmarkt ab, andererseits bleibt das Inflationsrisiko begrenzt, was Zinssenkungen wahrscheinlich macht. Fiskalische Impulse wie die „One Big Beautiful Bill“ könnten Konjunktur und Aktienmärkte zusätzlich stützen. Hohe Bewertungen im Technologiesektor werden durch starke Cashflows und Eigenkapitalrenditen teilweise gerechtfertigt. Für Credit Ratings bedeutet dies kurzfristig Stabilität: Solide Ertragskraft und günstige Refinanzierungsbedingungen stützen die Bonität vieler US-Unternehmen, insbesondere im Investment-Grade-Bereich. Gleichzeitig erhöhen hohe Bewertungen die Sensitivität gegenüber geldpolitischen Überraschungen, was sich bei einer restriktiveren Notenbank schnell negativ auf Ausblicke und Ratings niederschlagen könnte.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen die Finanzierungsstrukturen im Technologiesektor. Zwar spricht laut Denize kurzfristig vieles für ein Festhalten an KI-Investments, denn „anders als in früheren Bewertungsblasen ist die Marktstimmung heute weniger euphorisch, eher vorsichtig“. Dennoch warnt er vor Risiken aus Kreisfinanzierungen zwischen Anbietern und Nutzern von KI-Rechenkapazität. „Diese Modelle sind anfällig, sobald sich Rahmenbedingungen ändern und interne Zinsfüße korrigiert werden müssen – Kursverluste können die Folge sein, selbst wenn die Unternehmen operativ solide bleiben.“ Für Ratingagenturen ist dies ein zentraler Punkt: Künstlich aufgeblähte Umsätze und komplexe Finanzierungsstrukturen erschweren die Beurteilung der nachhaltigen Schuldentragfähigkeit. Das Risiko negativer Ratingaktionen steigt, falls Transparenz oder Cashflow-Qualität leiden.
In Europa verschiebt sich der Fokus hin zu binnenmarktorientierten Sektoren. Schuldenfinanzierte Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung könnten das Wachstum beleben. „Sollte die Umsetzung stocken und das ohnehin verhaltene Wachstum weiter abkühlen, hätte die EZB weiterhin Spielraum für unterstützende Zinssenkungen“, schreibt Denize. Für europäische Staaten und staatsnahe Emittenten sind dies gemischte Signale: Einerseits verbessern Investitionen langfristig das Wachstumspotenzial, andererseits erhöhen sie kurzfristig die Verschuldung. Sovereign Ratings könnten stabil bleiben, solange Wachstumseffekte und günstige Finanzierungsbedingungen überwiegen; Verzögerungen oder politische Blockaden würden jedoch den fiskalischen Spielraum und damit die Bonität belasten.
In Südostasien sieht Denize langfristige Wachstumschancen, betont jedoch die Risiken. „Südostasien bleibt für global orientierte Investoren unverzichtbar“, doch höhere Volatilität, politische Unsicherheit und Währungsschwankungen bleiben zentrale Faktoren. Für Credit Ratings in Schwellenländern bedeutet dies eine stärkere Differenzierung: Länder und Unternehmen mit soliden Leistungsbilanzen und stabilen Institutionen könnten profitieren, während anfälligere Emittenten bei globalen Schocks schnell unter Druck geraten.
Im Anleihebereich mahnt Denize zur Vorsicht. Enge Spreads bei Unternehmensanleihen stehen hohen Emissionsvolumina und steigender Staatsverschuldung gegenüber. „In Bezug auf Unternehmensanleihen insgesamt und insbesondere High-Yield-Titel bleiben wir vorsichtig: Die Spreadausweitung reicht kaum aus, um die höheren Risiken auszugleichen.“ Für Ratings impliziert dies ein asymmetrisches Risiko: Während Investment-Grade-Emittenten durch kurze Laufzeiten und stabilen Cashflow geschützt sind, könnten High-Yield-Ratings bei konjunkturellen Rückschlägen rasch unter Abwärtsdruck geraten.
Insgesamt rechnet Denize nicht mit einem abrupten Ende des Bullenmarkts. „Wir rechnen nicht mit einer platzenden Blase, sondern mit einer Fortsetzung des Bullenmarkts.“ Für Credit Ratings bedeutet dieses Umfeld keine Entwarnung, sondern erhöhte Wachsamkeit. Solange Geld- und Fiskalpolitik unterstützend wirken, bleiben viele Ratings stabil. Doch steigende Verschuldung, komplexe Finanzierungsmodelle und geopolitische Risiken erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass Ausblicke schneller drehen als in früheren Zyklen. Ratingstabilität wird damit stärker als bisher von Transparenz, nachhaltigem Cashflow und politischer Verlässlichkeit abhängen.
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